Neue Platten

Murder - (V. A.)

Genre: Blues/Folk
Label:Trikont (Indigo)
CD, VÖ: - 26.01.2010

Der Mensch und seine Laster. Eine Themenauswahl von unerschöpflicher Bandbreite tut sich da auf und findet seinen Niederschlag natürlich auch im kulturellen Bereich. Literatur, Kino oder Musik laden ein zum gefahrlosen Miterleben. Ein Soundtrack zum Thema „Mord” steht nun bei Trikont bereit. Eine CD, die die dunkle Seite der Seele beleuchtet. Schaurige Geschichten, wie sie sich vor allem auf dem nordamerikanischen Kontinent zutrugen, wo das Recht meist auf der Seite des Waffenbesitzers stand. Die dazugehörigen Gruselgeschichten wurden von Hillbillysängern, Bluestroubadouren oder sonstigen fahrenden Entertainern jahrmarkttechnisch unter die Leute gebracht. Das war verstärkt ab Mitte der 20er Jahre der Fall und aus dieser Vorkriegszeit des 2. WK speist sich dieses Album. Christoph Wagner, der bereits für vergangene Trikont-Produktionen verantwortlich zeichnete, hat Lieder von üblen Motiven, wahnsinnigen Killern und unschuldigen Opfern zusammengetragen, Songs über Eifersucht, Geldgier und sexuelle Begierden. Mörderballaden, die anders als Nick Caves Schauergeschichten, vom Geist der frühen Groschenromane beseelt waren und hier von Blues-Künstlern wie Sonny Boy Williamson, Blind Boy Fuller oder Roosevelt Sykes widergegeben werden. Aber auch Jazz-Sängerinnen wie Bessie Smith singen vom elektrischen Stuhl und Jazz-Trompeter Louis Armstrong weiß statt von einer „wonderful world” hier ganz lakonisch von einem „young rascal” zu berichten, den er nur so zum Spaß umbringen möchte.
„Murder” ist eine weitere von vielen guten Trikont-CDs, die musikalische Randbereiche beleuchten und nebenbei auch noch ein wenig Geschichtsunterricht (dem Booklet sei’s gedankt) erteilen. Ein Album, das vermutlich nicht gerade mit überbordendem Airplay gesegnet sein wird, das aber allemal guten Stoff für einen gemütlich-schauerigen Abend bietet.

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