Neue Platten

Brazilution 5.3 - (V. A.)

Genre: Brasilektro
Label:Ministry Of Sound (edel)
Do-CD, VÖ: - 30.05.2005

Es gab Zeiten, da hatte Ian Pooley mit Brasilien bzw. Lateinamerika noch gar nix am Hut. Das war Ende der 90er und Detroit House stand im Mittelpunkt seiner Aktivitäten als DJ. Später dann, gewiss, da schwenkte er, nicht zuletzt auf Grund seiner Verbindung zu dem Frankfurter Duo Rosanna & Zelia, auf die südamerikanische Zielgerade ein, auf der er jetzt noch immer seine Bahnen zieht. Insofern ist er eher ein Quereinsteiger, der sich erst in den letzten 5 Jahren die notwendigen Kenntnisse verschafft hat, um im Zirkel der Brasil-Connection mitzumischen. Daß ihm nun die Ehre zuteil wurde, die dritte Auflage der „Brazilution”-Samplerserie aus eigenem Gutdünken und mehr oder weniger autark zu bestücken, wird seine Anhängerschaft freuen. Allerdings muß gleich hinzugefügt werden: Pooley kann sich mit dieser Veröffentlichung nicht im Sonnenlicht einer Pioniertat bräunen, sondern er ist bestensfalls ein Gleicher unter Gleichen. Denn das Regal ist bereits gut gefüllt mit diversen „Brazilian Beats”-, „Brasilectro”-, „Brazilian Love Affair”- und „Brazil 5000”-Reihen, um nur einige zu nennen.
In der Auswahl der Pooley’schen Lieblingstracks findet der etwas besser informierte Bossa- und Samba-Sympathisant dann auch entsprechend einige alte Bekannte, was ein weiterer Hinweis darauf ist, daß auch in Mainzer Bastelstuben nur mit Wasser geköchelt wird. CD 1 beschäftigt sich also zunächst einmal mit der tageshellen Sonnenseite, wo man es sich am liebsten in der Hängematte bequem macht und dösig vor sich hinchillt. Zu diesem Zweck hat Pooley 16 schöne, entspannte Songs aneinandergereiht, die seiner Interpretation von „Sabor do Brasil” reichlich Spielraum lassen. Allerdings hat man dabei Jorge Bens „Brother Charlie” nun langsam wirklich etwas dicke und auch der vermeindliche Exot Pekka Streng mit seinem Finnen-Bossa stand schon bei dem kürzlich erschienen „Some More Horizons”-Sampler der Mo’Horizons-Crew auf der Setliste. Ansonsten eine gute und kurzweilige Mischung aus entspannten Brasil- und Pseudo-Brasil-Sounds.
CD 2, die nachtaktive, wartet angeblich mit house-infizierten „Dancefloor”-Stücken auf, wobei der Einstieg, ein hüftlahmer Azymuth-Langweiler, ruhig hätte ein wenig schmissiger ausfallen dürfen. Überhaupt scheint das, was Pooley unter Tanzflur versteht, nicht einer Favela Party, sondern eher dem Niveau in einem schicken Nachtklub an der Copa zu entsprechen, wo man auch lieber Caipis nuckelt, anstatt feste zu transpirieren. Denn gerade mal vielleicht 80% der hier anwesenden Trax gehen so richtig zur Sache. Der Rest nimmt doch lieber wieder auf dem Sofa platz. Alles in allem also eine zwar durchaus angenehme, aber keinesfalls eine Überfliegerscheibe.
Ach ja: die portugiesische Übersetzung für „elektronische Musik” heißt korrekt „música eletrônica” und nicht „música electrónica”.

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