Neue Platten

Wolfgang Meyer & Peter Lehel - Choro e Bossa Nova

Genre: Brazil/Jazz
Label: Rodenstein (Note 1)
CD, VÖ: - 01.02.2010

Für Musiker, die in der Klassik zuhause sind, sind Ausflüge in die Welt der Unterhaltungsmusik meist spannende und herausfordernde Momente. Losgelöst von starren Konventionen und vorgegebenen Partituren, quasi in kurzen Hosen und hemdsärmelig mal munter drauf loszulegen und in fremden Gärten zu wildern, kann locker machen und den Geist beflügeln. So oder so ähnlich muss es wohl auch dem Klarinettisten Wolfgang Meyer ergangen sein, der sich mit dem Jazz-Saxophonisten Peter Lehel und seinem Trio eingelassen hat. Statt schwerem Mozart also nun die Leichtigkeit brasilianischer Rhythmen. Vorzugsweise flotter Choro (eine tropische Form des Dixie oder Ragtime) und federnder Bossa Nova.
Die CD mit ihren 16 Fallbeispielen brasilianischer, nordamerikanischer und selbst erdachter Kompositionen reißt natürlich keine Meßlatte innovativer Arrangements und avantgardistischer Neuinterpretationen, sondern spiegelt die simple Spielfreude wider, mit der die beiden Bläser (und Pianist Ull Möck) sich gegenseitig die Bälle zuspielen. Und da bieten sich natürlich melodiöse Choro- und Bossabeats bestens an. Die Kombination Klarinette/Saxophon, eher von gegensätzlicher Natur und Charaktereigenschaft, harmoniert hier erstaunlich gut. Verliert man sich in den beschwingten Songs, verschwimmen auch so manches mal die sonst so scharfen Konturen der beiden Blasinstrumente. In diesem Fall ein gutes Zeichen und Ausdruck einer homogenen Partnerschaft. Zoomt man den klassisch geschulten Meyer aber direkt und ungefiltert ins Ohr, fällt einem dann doch die besonders hingebungsvolle und feinsinnige Arbeit eines E-Musikers auf, der unter seinem Freizeithemd wohl doch noch den Frack vergessen hat auszuziehen.

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