Neue Platten

Balkan Beats - (V. A.)

Genre: Balkan/Gypsy
Label:Eastblok (Alive)
CD enhanced, VÖ: - 06.06.2005

In Berlin tobt der Bär. Die legendären Russendisko-Parties haben nun endlich ein kräftiges Gegengewicht: die BalkanBeats-Parties. Ursprünglich entstanden aus einer Überlebensstrategie einiger emigrierter Jugos, die dem mörderischen Treiben in ihrer Heimat Anfang der 90er entkommen wollten und in Berlin ein neues Zuhause suchten. Mittlerweile hat sich dieses Kreuzberger Kultur-Recycling der jugoslavischen Art zu einem multinationalen Event gemausert, wo das völlig selbstverständlich praktiziert wird, wovon viele auf dem Balkan immer noch träumen, wenn sie einigermaßen helle im Kopf sind: dem friedlichen Zusammenleben von verschiedenen Religionen und Völkergemeinschaften.
Was im Berliner Mudd-Club, dem Treffpunkt dieser sympathischen Idealisten, alle 14 Tage abgeht, ist auf dieser CD zumindest teilweise zusammengefaßt. Denn nach 53 Minuten, wie auf dem vorliegenden Tonträger, ist die Sause dort natürlich noch lange nicht zu Ende. Fortsetzungen dieser Serie werden also hoffentlich schon in Planung sein, dürften auch weggehen wie warme Schrippen, wenn diese erste Lunte erst einmal so richtig am Glimmen ist. Zur Explosion kommt es dann ganz von alleine. Denn wer diese Mucke scheiße findet oder uninteressant, der hat wahrhaftig einen mittleren Programmierungsfehler im Gehirn.
15 Tracks und 15 Volltreffer. DJ Robert Soko und sein Team haben da weiß Gott ein Repertoire aufgefahren, das es in sich hat, selbst wenn da ein paar Titel rotieren, die schon seit längerem auf dem Markt sind. Völlige Nebensache, das, denn die polnische Version von Bregovic’s „La Passatella” von 1999 bläst einem auch 2005 noch wie ein Orkan durchs Gehör und selbst die griechische Adaption von „Mesecina” von 1997 gehört zur anerkannten Grundausstattung aller Roma-Fans. Weitere unumstrittenen Autoritäten auf diesem Furioso Balkaniensis: Fanfare Ciocarlia, Mahala Raï Banda, Boban Markovic, Besh O Drom und Frank London. Der Klou kommt aber erst noch: sechs Acts, von den hierzulande bisher wohl kaum einer Wind bekommen hat, sind das wahre Würzmittel dieser CD. Sie kommen aus Slowenien, Kroatien oder Serbien, oder sind ein ethnisches Vielvölkergemisch. Ihre Musik ist eine kuriose Mischung aus Traditionellem und Urbanem, aus Balkan-Punk und Underground-Folk, und steht mit ihren provokanten Elementen ganz im Gegensatz zu den fast schon wieder herkömmlich wirkenden Hi-Speed-Gypsy-Bläsern. Zu begutachten auf zwei völlig durchgeknallten Videos, die dieser CD mit beigepackt sind.
So, und nu? Es ergeben sich zwei Alternativen: entweder Platte kaufen oder nach Berlin fahren. Wir raten: am besten beides.

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