Neue Platten

Daniel Lanois - Belladonna

Genre: Ambient Country Guitar
Label:Anti (SPV)
CD, VÖ: - 06.06.2005

Die perfekte Platte zum Sonntagmorgen-Frühstück. Nicht zu laut, nicht zu leise, hat die richtige Länge und ist auf dem Tisch auch als Blumenersatz zu gebrauchen. Denn Daniel Lanois ist ein Ästhet. Cover und Inhalt dieser Platte stehen in engem Verhältnis zueinander. Poetische Gitarren-Musik, die weit davon entfernt ist, sich in der Grauzone zwischen Friedemann und Ottmar Liebert zu verlieren. Daniel Lanois ist aus anderem Holz geschnitzt. Er kreist zwischen Pedal Steel, Ambient, Country, Dub und Jazz, er agiert wie ein freidenkender Maler, er entwirft die unterschiedlichsten Stimmungen und läßt der Fantasie freien Lauf.
Brian Eno, Willie Nelson, U2 und Bob Dylan sind die immer wieder ins Feld geführten Signifikanten, wenn sein bisheriges Produzentenspektrum beleuchtet werden soll. Und tatsächlich hören sich manche Tracks dieses Instrumental-Albums wie die verdichtete Quintessenz dieser Herrschaften an, andere wiederum bringen Assoziationen ins Spiel, die in ganz anderen Sphären anzusiedeln sind. Seine Kooperation mit dem Pianisten Brad Mehldau beispielsweise entführt uns in eine Art Unterwasserwelt, in der große bunte Fische langsam ihre Bahnen ziehen und nur ab und zu von oben ein Wellenschlag in Form von zarten Pianoläufen nach unten durchbricht. Andererseits können sich aber auch behutsam angeschlagene Gitarrensaiten mit atmosphärischen Störgeräuschen vermengen, über denen eine eigentümlich melancholische Melodie schwebt. Und wer hat schon mal einen astreinen Country-Dub gehört? Daniel Lanois und Drummer Brian Blade machen’s möglich. Hawaii-Gitarre und Rasta-Drums scheinen zwar auf den ersten Blick eine mehr als gewagte Verbindung zu sein, passen hier aber wie die Faust aufs Auge und diese Aufnahme zählt mit zum Interessantesten, was mir seit langem untergekommen ist und fast wünscht man sich das Ding in doppelter Länge, weil es einfach gar so genial ist. Ja und dann ist da noch „Flametop Green”, eine zum Heulen schöne Ode an die Vergänglichkeit.
War Lanois’ Vorgänger-Album „Shine” noch eine gelungene Synthese aus Popsong und elaborierter Gitarrenarbeit, so ist nun „Belladonna” ein großer Sprung in eine schöpferische Freiheit, die nicht mehr an Lyrics oder festen Songstrukturen klebt, sondern wundervoll schwerelos durch Zeit und Raum gleitet.

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