Neue Platten

Carmen Souza - Protegid

Genre: World/Jazz
Label: Galileo MC (Galileo MC)
CD, VÖ: - 05.03.2010

Kapverden einmal anders. Keine melancholischen Mornas, kein Saudade-Feeling, und auch kein bloßes zur-Schau-stellen der traditionellen Verknüpfung der Inselkultur mit der des portugiesischen Mutterlandes. Carmen Souza kam in Lissabon zur Welt, ist aber über die elterliche Schiene mit den Kapverden eng verbunden. So gesehen ist es nur natürlich, dass der hautenge Bezug zur indirekten insulanen Herkunft nur bedingt gegeben ist und sich andere musikalische Einflüsse gleichberechtigt in der künstlerischen Welt der Carmen Souza wiederfinden. Souzas drittes Album „Protegid” spielt daher mit vielen Einflüssen, die von außen auf das Kulturgut der Kapverden einwirken. Afrikanische Kultur, Jazz, Pop – all das verbindet sie in einer einmaligen und nur schwer zu kopierenden Form. Grundlage ihres expressiven Gesangsstils ist der kreolische Dialekt der Kapverden, der selbst mit guten Portugiesisch-Kenntnissen nur schwer verständlich ist und daher im Booklet dankenwerterweise mit einer englischen Übersetzung entschärft wird. Die 12 Songs des Albums sind einigermaßen unkonventionell angelegt, zeichnen sich durch ein breites Spektrum an mitwirkenden Musikern aus aus und erinnern im Ausdruck eher an einen rastlosen Vogel, der ständig in Bewegung ist und dabei fortwährend einen emphatischen Zwitschergesang von sich gibt. Getragene Harmoniebögen, süßliche Fados oder traurige Balladen sind auf „Protegid” eher eine Seltenheit und eigentlich nur bei der Coverversion von „Sodade” auszumachen. Dagegen haben aufgekratzte Stimmungslagen, die mehr in die Richtung der tänzelnden Coladeira, des afrikanischen Highlifes oder der karibischen Zouk-Musik gehen oder aber auch dem expressiven Jazz-Gesang zuzuordnen sind, klar die Oberhand. Und selbst eine eher persönlich gehaltene Nummer wie „Song for my Father” kann seine jazzige Herkunft (Horace Silver) trotz aller ethnischen Zutaten nicht verleugnen. „Protegid” ist sicher kein pflegeleichtes Album, dazu sind die stilistischen Eigenarten im stimmlichen Ausdruck von Carmen Souza zu exponiert. Vertreter des Jazzlagers dagegen dürften da sehr viel mehr frohlocken.

www.carmensouza.com