Neue Platten

Head Over High Heels - (V. A.)

Genre: RetroSwingJazzPop
Label: Trikont (Indigo)
CD, VÖ: - 19.03.2010

In Sachen Sampler-Veröffentlichungen entwickelt sich das Münchener Trikont-Label scheinbar immer mehr zum Retro-Spezialisten. Besonders gern wird da auf den Musikfundus der Vereinigten Staaten von Nordamerika zurückgegriffen, gibt es doch dort besonders viele kauzige Themen zu erforschen.
Inspiriert von einem Artikel, der am 1. März 2008 im britischen Guardian erschien (Titel: Head Over Heels), hat sich die Münchener Journalistin Renate Heilmeier daran gemacht, entsprechendes Songmaterial zusammenzutragen. Worum geht es? Um die Musik rund um die zwischen den 30er- und 50er-Jahren beliebten Screwball Comedies, die von Amerika natürlich auch bis ins deutsche Kino und später bis ins deutsche Wohnzimmer schwappten. Was sagt uns dieser Fachbegriff? Wikipedia bringt es auf den Punkt: „Die so betitelten Beziehungskomödien thematisieren häufig den Krieg der Geschlechter und zeichnen sich im Idealfall durch hohe Dialoglastigkeit, Wortwitz, ein rasantes Tempo und eine raffiniert konstruierte Handlung aus. Das Genre bewegt sich oft an der Grenze zur Farce und greift durchaus auch visuelle Slapstick-Anleihen aus der Stummfilmzeit auf.”
„Head Over High Heels” präsentiert also 24 patina-behaftete aber nun wieder blank polierte musikalische Glitzersteinchen weiblichen Selbstbewußtseins, mit denen Sängerinnen und singende Schauspielerinnen in der Glitzerwelt des Kintopps durch zweideutigen Humor, findig verhüllte Erotik und geschickt kaschierte Stärke den Paschas jener Zeit den Wind aus den Segeln nahmen und sie geschickt einlullten. Das krasse Gegenteil also der damaligen Gesellschaftssituation. Von Ginger Rogers über Jean Harlow bis Rita Hayworth reicht die Palette, vom Vamp bis zur Biederfrau ist alles dabei, Schwestern-Vereinigungen und durchsetzungsfähige Großmütterchen geben sich die Ehre und selbst die Hautfarbe spielt hier keine Rolle. Geballte Leinwand-Frauenpower, die der Realität jener Zeit weit voraus war. Witzig, spritzig, emanzipiert und vor allem - aus heutiger Sicht - sehr amüsant.

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