Neue Platten

Sublime & Jun Miyake - Ludic’

Genre: Jazz/Pop
Label: Yellowbird (edelkultur)
CD, VÖ: - 26.03.2010

Eines der herausragensten Alben aus dem Jahr 2008 haben wir hier bereits vorgestellt: Es ist Jun Miyakes Stolen From Strangers. Der mittlerweile in Paris lebende Japaner gehört sicher zu den eigenwilligsten Musikern der augenblicklichen Musikszene, denn er scheut sich nicht, kompromisslos das zusammenzuzimmern, was im Plattenregal normalerweise in die unterschiedlichsten Ecken einsortiert wird. Die Stilwelten von Jazz, Chanson, Balkan, Brasil, Filmmusik, Elektronik, Pop und Exotica spielen bei ihm gleichberechtigte Rollen und werden auf seinen Alben so geschickt miteinander verwoben, dass man dort ohne großes Zögern den Stempel „Magisch” aufdrücken möchte. Eine langjährige Weggefährtin Miyakes ist die französische Sängerin Sublime, die bereits 1993 ihre erste CD (Entropathy) mit Jun Miyake aufnahm. Die Zusammenarbeit verdichtete sich über die Jahre und gipfelt nun in der engen Kooperation für das Album „Ludic’”, das fast wie eine Fortsetzung der o.g. CD wirkt. Aber nur fast. Denn Sublime spielt hier die Hauptrolle, Miyake zieht die Fäden mehr im Hintergrund. Sublimes künstlerisches Schaffen ist breit gefächert. Durch lange Aufenthalte in Tokyo hat sie eine starke Affinität zur japanischen Kultur entwickelt, sie interpretiert aber auch in höchst eigenwilliger Weise französische Standards. Zudem ist sie noch Komponistin, Performerin und Schauspielerin – eine Universalkünstlerin also. Kein Wunder wirkt „Ludic’” durch die enge Zusammenarbeit mit dem Tausendsassa Miyake wie eine musikalische Wundertüte. Die französische Sprache steht hier natürlich im Vordergrund. Geschickt tänzelt Sublime durch die Wunderwelt des internationalen Pop-Chansons und die japanischen Instrumentalisten vervollkommnen unter der Regie des Meisters Miyake diese kleinen Meisterwerke mit einer ausgeklügelten Melange aus Jazz und Weltmusik. Die Mitwirkung des brasilianischen Gitarristen Vinicius Cantuaria, der Beitrag des Bulgarischen Symphonie Orchesters sowie die Gastmusiker Jon Handelsman (Saxophon) und Peter Scherer (Piano) tun ihr Übriges, um dieses Album erneut in den Olymp des anspruchsvollen Pop zu befördern. Als Abschluss hat sich Miyake dann noch einen Gag erlaubt, der sich allerdings als kleine Enttäuschung entpuppt: Sublimes Neuinterpretation des Titels „Le Mec Dans Un Train” (zu finden auf dem bereits zitierten Album „Stolen From Strangers”), hat gegen die Version des Franco-Italieners Stéphane Sanseverino hier ganz klar das Nachsehen. Trotz dies kleinen Fauxpas ist und bleibt „Ludic’” ist ein großartiges Album.

www.junmiyake.com