Neue Platten

Sa Dingding - Harmony

Genre: China-Pop-Crossover
Label:Wrasse Records (Harmonia Mundi)
CD, VÖ: - 26.03.2010

Sa Dingdings Erstlingsalbum Alive wurde zwar in den einschlägigen Medien als beachtenswerter Insider-Tipp gehandelt, konnte sich aber letztendlich am großen Weltmusik-Markt nicht als der Knaller erweisen, als der er gerne, vor allem von der Plattenfirma, postuliert wurde. Es erwies sich eben doch schwieriger als gedacht, fernöstliches Pop-Verständnis mit westlicher Kommerz-Dialektik zu verbinden. Der zweite Anlauf „Harmony” will nun erneut versuchen, die Welt der blumigen China-Poesie mit der harten Realität einer internationalen Pop-Produktion zu verknüpfen. Zu diesem Zwecke hat sich Sa Dingding (sie stammt aus der Inneren Mongolei Chinas) nun mit dem britischen Produzenten Marius de Vries (U2, Björk, Rufus Wainright) zusammen getan und versucht, mit dessen Hilfe und Knowhow ihre Gedanken zu heimatlichen Themen in klingende Ware umzusetzen, in der Hoffnung, unsere Ohren mögen diese Mischung aus Seidenstrassen-Exotik und UK-Pragmatismus als effektvoll empfinden. Und so kommt es wie es kommen musste: die kleine Chinesin wird von der Londoner Langnase mehr oder weniger platt gemacht. Ihr bleiben als Trost nur die Muttersprache, märchengleiche Melodielinien und die wenigen authentischen Instrumente, die die chinesichen Musiker im Gepäck haben, aber leider nur von periphärer Bedeutung sind. Der Rest ist das übliche Studio-Chariwari, mit dem man vollschlanke Großproduktion vermeindlich zu veredeln sucht. De Vries hat seine Position weidlich ausgenutzt und dem Album „Harmony” sein ganz persönliches Harmonieverständnis aufgedrückt, das eben doch vermutlich sehr weit von Sa Dingdings Urgedanken entfernt ist. Frei nach dem Motto: Deine Grundideen in allen Ehren, aber Du willst ja schließlich damit im Westen auch Umsatz machen.

www.sadingding.co.uk