Neue Platten

Remixes And Covers of Björks “Army Of Me” - (V. A.)

Genre: Alternative
Label:UNICEF/One Little Indian (Rough Trade)
CD, VÖ: - 13.06.2005

Wer Björks Hang zu schwer verdaulicher Ware kennt, wird sich wohl auch bei diesem Album nicht mehr wundern. Dabei war die Idee, die hinter dieser UNICEF-Wohltätigkeitsplatte steckt, gar keine schlechte: vor einiger Zeit gab sie nämlich ihren 95er Hit „Army Of Me” für jedermann zur Bearbeitung oder Interpretation frei und sage und schreibe über 600 Antworten prasselten daraufhin in ihren e-mail-Briefkasten. Allein sich konzentriert durch diesen Wust zu hören, muß wohl ein ziemlich heftiges Unterfangen für sie und Graham Massey (808 State) gewesen sein, führte aber letztendlich zu diesen „Top 20”.
Und in der Tat braucht man für manche Beiträge ein verdammt dickes Fell. Das verdeutlicht aber auch, daß Björk bei der entscheidenden Endauswahl weder an UNICEF-kompatiblem Schönklang noch an irgendwelchen musikalischen Konventionen interessiert war. Einzig und allein ihre Geschmacksrezeptoren gaben den Ausschlag, wer ins Töpfchen kam und wer ins Kröpfchen mußte. Den Extremen, die hier aufgefahren wurden kann man daher eines sicher nicht absprechen: eine unglaubliche Bandbreite. Schon der Eröffnungssong der kanadischen Doom-Metaller Interzone zerrt ordentlich an den Nerven. Verstümmelungs- und Dekonstruktionswut ist hier das erste Codewort. Dann die Kehrtwendung um 180 Grad: „Army Of Me” in Minimal-Bossa-Ausführung aus Frankreich. Danach schwedischer Space-Rock, amerikanischer Lapsteel-Country, gefolgt von britischem Elektrobaukasten-Folk. Schon die ersten fünf Kapitel beuteln den geneigten Zuhörer von einer Ecke in die andere. Björk kennt da keine Gnade. Und weiter geht’s mit isländischen Alptraumsequenzen, englischem Akkordeon-Geschwurble, französischem Hardrock und britisch-deutschem Harfengedöns. Und alles wohlgemerkt immer auf „Army Of Me”-Basis. Manchmal möchte man dieses Ding vor lauter Übelkeit in die Entsorgungsecke feuern (nicht zuletzt dank dem „Random”-Brechreiz), dann wieder kitzeln einen richtig kleine Goldklunker an den Synapsen. So wie z. B. der Beitrag des Griechen Mikhail Karikis mit seinem orchestralen Opus „Once More” oder der dänische Knusperhäuschen-Rework von Atoi. Also aufgepasst: dieses Ding ist nichts für schwache Nerven. Der Hardcore-Musikfreak ist hier gefragt. Und das UNICEF-Konto wird dadurch sicher auch nicht viel voller werden.

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