Neue Platten

Markscheider Kunst - Utopia

Genre: Ska/Latin Crossover
Label:Eastblok (Indigo)
CD, VÖ: - 23.04.2010

Gerade weil russische Bands schnell in die „Russendisko”-Ecke geschoben werden, genießen Markscheider Kunst aus St. Petersburg eine Art Außenseiter-Status. Ihr Markenzeichen ist und bleibt der Latin-Ska, den sie seit Anbeginn ihrer Karriere 1992 verfolgen und über die Jahre perfektioniert haben. Für russische Verhältnisse eine nahezu utopische Vorstellung, mit Ska, Reggae, Cumbia und Cuba-Rhythmen den russischen Underground aufzumischen. Und dafür dass sie das Rastaland bisher noch nie live erlebt haben, gehen sie mit Offbeat- und TwoTone-Elementen verdammt behende um. Sergey „Efr“ Efremenko dazu: „Wir waren noch nie auf Jamaika und haben auch sonst keine Illusionen über dieses Land. Wir sind zwar eng mit den Skatalites befreundet, eine der ältesten und besten Ska-Bands der Insel, aber wir wissen auch sehr genau, dass dort vergleichsweise hohe Armut herrscht und das Gros der Bevölkerung mit dem Ideengut der Rastas kaum etwas am Hut hat. Schließlich gibt es in Russland ja auch noch ein paar Leute, die nichts von Vodka halten.” Nach jahrelanger harter Artbeit an der Basis der Subkultur haben Markscheider Kunst, die ihren Namen von einem deutschen Begriff aus der Bergbau-Sprache herleiten, für „Utopia” (Eastblok/Indigo) nun etwas relaxtere Töne an- und auch teilweise neue Wege eingeschlagen. Abgesehen von der Sprache, keine Spur von typisch russischen Merkmalen. Sergey macht für die Latinmanie seiner Band hauptsächlich die politischen Altlasten und die geographische Lage seiner Heimat verantwortlich: „In St. Petersburg fehlt uns sehr oft die Sonne. Deswegen machen wir eben sonnige bis tropische Musik und klingen für russische Ohren sehr exotisch. Und da das revolutionäre Kuba ein ehemaliger und enger Bruderstaat der UdSSR war, lag diese Verbindung geradezu auf der Hand.” „Utopia” hat aber noch mehr zu bieten. Zwei Tracks dieser CD eröffnen völlig neue Horizonte. Zum einen geht es in Richtung Gypsy-Swing und zum anderen widmet man sich dem Thema „Filmmusik”. „Musik für Filme zu schreiben, ist wie Freestyle-Komponieren“, erklärt Sergey, „du bist völlig frei in deiner Arbeit. Auch wenn sich das dann ein wenig nach Amélie Poulain anhört. Aber unser filmemachender Freund wollte das so. Und dann haben wir eben einen melancholisch-possierlichen Walzer kreiert. Es macht uns einfach Spaß, das Publikum zu überraschen und auch mal Sachen zu spielen, die man nicht von uns erwartet.”

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