Neue Platten

Emiliana Torrini - Fisherman’s Woman

Genre: IndiePop
Label:Rough Trade (Rough Trade)
CD - 31.01.2005

Das lange Warten hat nun endlich ein Ende. Fanclubs rund um den Globus atmen auf: Mrs. Freckles is back. Im 99er Jahr war es, da Emiliana Torrini mit ihrem Debut-Album „Love In The Time Of Science” alles in Verzückung versetzte, was über ihre CD stolperte. Eine Elfe aus Island mit italienischem Namen und einem Onkel, der mal eine Eisdiele im hessischen Walldorf hatte, war der Liebling der Saison. Und als die Saison vorüber war, wurde es wieder still um die damals gerade 19jährige. Schade, dachte man, so ein Sweety hätte eigentlich mehr verdient als nur eine Eintagsfliege zu sein. Doch 2002 tauchte plötzlich wieder ein Track von ihr auf. Die Thievery Corporation hatte sie als kompetente Sängerin entdeckt und mit ihr den Song „Until the Morning” eingespielt. Gott seis gedankt. Emiliana lebt. Ein Jahr darauf ein weiteres Lebenszeichen: die Londoner Band „Slovo” heuerte sie für einen Gast-Auftritt an, Ergebnis einer Langzeitfreundschaft, war doch Slovo-Perkussionist Siggi Baldursson Emilianas ehemaliger Kompositions-Kompagnon. Und dann war da noch „Slow”, ein Titel den sie für Gylie Kylie schrieb. Aber das haben vermutlich noch weniger Leute mitbekommen.
Nach Liebe in Zeiten der Wissenschaft nun also die Frau des Fischmeisters. Viel hat sich geändert. Von den elektronischen Schwaden isländischer Troll-Sounds und sensitivem Tears-For-Fears Bombast hin zu akustischer Einfachheit, zu gehauchter Singer-/Songwriter Poesie, zerbrechlich, kindlich, hypnotisch und verhalten erotisch. Emiliana Torrini hat sich zu ihrer ureigensten Materie zurückentwickelt, zum sparsamen Umsetzen von autobiografischen Kurzgeschichten. Akustische Gitarre, ein bißchen Perkussion, kaum wahrnehmbare Elektro-Teile wie Wurlitzer und Pedal Steel, ein bißchen Melodika – das war’s. Selten kam spartanisches Musizieren so intensiv rüber. Vielleicht lag es auch – zumindest teilweise – an der finnischen Ataraxie, die Samuli Kosminen mit seiner Minimalperkussion bei vielen Aufnahmen ausstrahlte.
Kann uns letztendlich auch wurscht sein, denn Hauptsache wir dürfen Emiliana wieder in unserer Mitte begrüßen und da lassen wir sie auch so schnell nicht wieder raus. Und wer sich die Abschiedsnummer dieser CD so richtig im Gehörgang hat zergehen lassen, weiß, weshalb ich dies sage.

www.emilianatorrini.com
www.roughtraderecords.com