Neue Platten

Faudel - Bled Memory

Genre: Marokko-Pop
Label: Mercury/Universal France (Wrasse/ Harmonia Mundi)
CD, VÖ: - 21.05.2010

Die marokkanische Raï-Szene wäre ohne Faudel unvollständig. Seinen Ritterschlag zum großen Maroc-Pop-Entertainer erhielt er beim Mega-Event am 26.9.1998, wo er sich zusammen mit Khaled und Rachid Taha im Pariser Palais Omnisports einen Abend lang die Bühne teilte und fortan als Kronprinz gehandelt wurde. Aber schon bei diesem Konzert zeichnete sich ab, dass Faudel nicht zu den Freaks der algerischen Musikszene gehört, wie beispielsweise Rachid Taha, der über die Jahre sein Image als harter Kasbah-Rocker konserviert hat. Faudel ist ein Womanizer, der das zarte Geschlecht reihenweise um den Finger wickelt. Seinem smarten Sunnyboy-Lächeln kann kaum eine Norafrikanerin widerstehen. Zu diesem Image gehört aber auch eine Musik, die sich zwischen Tradition, Pop und Kitsch bewegt und das hat Faudel perfekt drauf. Auch „Bled Memory” macht da keine Ausnahme. Angeblich kehrt er hier zu seinen Wurzeln und in seine Kindheit zurück, singt in arabischer Sprache und bringt die großartigsten Standards der Raï-Musik Nordafrikas und des Mittleren Ostens zusammen. Unter Standards kann man sich aber auch durchaus etwas anderes vorstellen (siehe Rachid Taha 1998, CD „Diwân”). Was Faudel auf „Bled Memory” abliefert, tendiert nicht selten zu weichgespültem Allerwelts-Raï, der dem Mainstream aufs Innigste verpflichtet ist. Der Sound ist entsprechend: An vielen Stellen wird auf die Hilfe der digitalen Technik zurückgegriffen, was sich vor allem auf die Abschaffung der Bläsersektion auswirkt, die nun als Kaugummisound digital generiert wird. Das Booklet dagegen ist geschmackssicher angelegt. Fotos aus dem marokkanischen Alltagsleben machen Lust auf Sightseeing und Pfefferminztee. Die CD selbst ist dagegen eher gutes Mittelmaß.

www.faudel.net