Neue Platten

Magnifico - Magnification

Genre: BalkanPop
Label: Piranha (Indigo)
CD, VO: - 30.07.2010

Skurrile Gestalten gibt es auf dem Balkan zuhauf. Eine von ihnen ist mit Sicherheit der slowenische Edelcowboy Magnifico. Als Robert Peschut kam er auf die Welt, schlug sich schon in der Tito-Ära mit eingängiger Popmusik durch’s sozialistische Leben, erlebt nun aber seit gut zwei Jahren einen Popularitätsschub, der – dem Balkan-Hype sei’s gedankt – steil nach oben zeigt. Weit entfernt vom ernsthaften Schmettersound der serbischen Zigeuner-Orchester und jenseits der Bandbreite von Kusturica und Bregovic, hat sich Magnifico seine ganz eigene Crossoverwelt erschaffen, die munter all das durch den Fleischwolf dreht, was im Popbusiness nach apokalyptischer Unterhaltung riecht. Nicht nur dass er seine Songs in radebrechendem Englisch (chir ai kam, chir ai go), in Serbisch und in Romanes vorträgt, er zapft auch noch unverdrossen den amerikanischen Surfsound an, fügt US-Countryrock mit Steel- und E-Gitarre ein, pflegt mexikanisches Mariachi-Brauchtum, covert 60er-Jahre Hits und Disco-Schnulzen, sorgt teils mit Brass-Samples, teils mit echten Gypsybeats und Roma-Orchestern für bedingungslose Partystimmung, kleidet sich vorzugsweise als Cowboy-Dandy – kurzum er parodiert, imitiert, kolportiert und provoziert das Umfeld, das ihn seit seiner Jugend geprägt hat. Waren seine zurückliegenden Platten wie „Export Import” oder „Grande Finale” nur schwer zu ergattern, kann man nun über das Berliner Piranha-Label mit „Magnification” bequem in die Vollen gehen, denn hier wurden neben neuen Titeln auch einige ältere Hits runderneuert aufgelegt. Aktueller Hit im Magnifico-Stall: der Opener „Zum Zum“ mit dem Roma-Saxophonisten King Ferus Mustafov. Ein perfekt durchgestyltes Album inklusive Bonus-Videos, das so lässig dahergeschlurft kommt, wie ein offener Schnürsenkel.

www.magnifico.info