Neue Platten

Smog - A River Ain’t Too Much To Love

Genre: Singer/Songwriter
Label:Drag City/Domino (Rough Trade)
CD, LP, VÖ: - 30.06.2005

Allein der Einstieg zum ersten Song deutet schon an, daß es sich hier um etwas sehr stilles, in sich gekehrtes handeln muß. Sorgsam und mit Bedacht gezupfte Akustikgitarrensaiten sind die Ouvertüre zu einem Album, das auf seiner gesamten Länge von 50 Minuten eine konzentrierte Ruhe verbreitet. So als hätte man sämtliche Stecker der Welt aus ihren Dosen gezogen und übrig bliebe nur noch der reine Klang des akustischen, kombiniert mit einer nicht minder beruhigenden Stimme. Und die gehört Bill Callahan, einem Chicago-Boy, der als (Smog) oder Smog schon seit mehreren Alben auf dieser Schiene zuhause ist und mit „A River …” erneut tonnenweise Seelen-Balsam ausleert.
Ihm zur Seite stehen Connie Lovatt, Bass und Jim White, Schlagzeug, sowie vereinzelt Hackbrett, Fiddle und Piano. Eine Songwriter-Session also, wie sie purer kaum sein könnte. Bill Callahan hat aber nicht nur ein Organ so tief und weich wie der Inhalt eines midwestern Kornsilos, sondern er ist auch ein unvergleichlicher Poet. Der bereits angesprochene Opener steht dabei exemplarisch für sein Ringen um die in Worte gefassten Gefühlswallungen, die mal morbide mal augenzwinkernd wellenartig über einen hereinbrechen, macht man sich die Mühe, die Texte akustisch oder optisch mitzuverfolgen.
„Winter weather is not my soul // but the biding for spring … // Why is everybody looking at me // like there’s something fundamentally wrong // like I’m a southern bird // that stayed north too long … Das mag für sich allein vielleicht etwas lapidar klingen, entwickelt aber in Zusammenhang mit der akustischen Komponente eine unwiderstehliche Gefühlsechtheit, der man ganz schnell verfallen kann. Weitere solcher Beispiele wären im Nu gefunden.
Und dieser Spannungsbogen bleibt stabil über die gesamte Länge des Albums. Das einzige was von Song zu Song variiert, ist die Besetzung und die Lautstärke, aber auch das in einem nur sehr bescheidenen Rahmen. Bill Callahan alias Smog gilt zurecht als Minimalist, der allerdings aus seiner Sparsamkeit die maximale Emotionsreichweite herauskitzelt.

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