Neue Platten

KAD - Lettre à Marianne

Genre: FrancoPop
Label:Skycap (Rough Trade)
CD, VÖ: - 20.08.2010

Der Lebenslauf des Franzosen Kad Achouri liest sich annähernd wie eine Reisebeschreibung. Vater Spanier, Mutter aus Algerien, aufgewachsen im Südwesten Frankreichs, ausgewandert nach Barcelona und jetzt sesshaft in London. Und von dort nun der Brief an Marianne, die Schutzheilige aller Franzosen. Vor allem wohl derer, die als „legal aliens” in der ausserfranzösischen Fremde leben. Dass es sich in der Diaspora dennoch gut komponieren lässt, beweist der struppige Troubadour ganz exquisit. Nach den Alben „Liberté” (2002) und „Société” (2005) beschäftigt er sich auf seiner dritten CD wieder mit typisch französischen Themen, die er ebenfalls auf die typisch französische Art in Szene setzt. Den Anfang macht das jazzig getragene „Je Sais”, das in seiner fragilen Elastizität und mit seiner warmen Melancholie der „école française” alle Ehre macht, nicht zuletzt auch durch Kad’s zartbesaitetes Stimmchen, das, wie man später noch erkennen wird, auch ganz anders kann. Der Titelsong dann ist bestes Franco-Songwriting mit strammem Rhythmus und eingängigem Refrain. Wenn dann noch beschwingte Klarinette, Honky-Tonk-Piano, Gypsy-Gitarre, sportlicher Bass und flinkes Schlagzeug hinzukommen, sollte man kaum glauben, dass all diese hübschen Songs an der Themse entstanden sein sollen. Kad Achouri ist eben ein Frenchman par excellence, der mit allen Wassern gewaschen ist. Bereits als Arrangeur für Natacha Atlas hat er gearbeitet und als Remixer für Sidestepper. Im weiteren Verlauf der CD streunt er durch morgenstündliche Bars und hängt gedankenverloren akkordeonschwangeren Sentimentalitäten nach oder träumt von mediterranen Nächten, die von zarten Violinentönen durchkreuzt werden. Achouri versteht es bestens, Nostalgie, Intimität und Alltagserlebnisse sorgsam unter einem Hut zu verstauen. Lediglich über die Spielzeit dieser CD von gerade mal 35 Minuten wird Marianne vermutlich etwas enttäuscht sein.

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