Neue Platten

Revista Do Samba - Outras Bossas

Genre: Brasil/Samba
Label:Traumton (Indigo)
CD, VÖ - 21.06.2005

Die Firma Traumton aus Berlin lieben wir ja nicht nur wegen ihres hübschen metaphorischen Namens, sondern auch weil diese ambitionierte Sound-Schmiede immer wieder so nette kleine geile Platten auf den Markt bringt. „Outras Bossas“ ist ein erneutes Beweisstück. Einer, der noch nie in Brasilien war, kann bei dieser Platte leider nur erahnen, was es heißt, Samba zu fühlen. Wer allerdings schon mal drüben war und in einer verranzten Vorstadtkneipe hinter die Vorhänge der Musikleidenschaft spickeln durfte, der bekommt hier ganz schnell wieder dieses wohlige Kribbeln im Bauch.
Pünktlich zum Sommerbeginn ist diese Scheibe aus São Paulo auf den deutschen Markt gepurzelt und sorgt mit poetischer Leichtigkeit und noch mehr temperamentvoller Harmonie für glänzende Augen und wiegende Körperbewegungen. Revista Do Samba ist ein Trio, bestehend aus der Sängerin Letícia Coura, dem Gitarristen Beto Bianchi und dem Perkussionisten Vítor Da Trindade. Drei die es verstehen, mit minimalen Mitteln (und ein paar Studiogästen) den maximalen Effekt zu erzielen. Und das ist eben kein überkandidelter Carnaval-Klamauk oder massenkompatibles Ilê Aiyê-Spektakel, sondern die liebevoll gepflegte Nachbarschafts-Unterhaltung, die bei der man ausgelassen zusammenhockt, viel trinkt, viel singt, viel tanzt und das bis der nächste Morgen graut.
Wunderbar, wie vielfältig auf dieser Platte der regenbogengroße Bogen der brasilianischen Samba interpretiert wird. Angefangen beim ersten großen Sambista Brasiliens Sinhô, der bereits 1929 so etwas wie ein Schlager-König war über den in den 30ern und 40ern agierenden Assis Valente oder den Nachkriegs-Phänomenen wie Cartola oder Mautner bis hin zu aktuellen Cracks wie Arnaldo Antunes.
Revista Do Samba brechen der Musik des kleinen Mannes eine dicke Lanze und sie tun dies dermaßen kunst- und hingebungsvoll, daß man gar nicht genug bekommen kann von Alegria, Saudade und Co. Es braucht eben nur eine anmutige Stimme, eine gut bediente Cavaquinho und ein schepperndes Pandeiro und schon hat man das perfekte 2/4-Gefühl. Die drei Paulistas haben da wirklich ein kleines geiles Juwel produziert.

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