Neue Platten

Blassportgruppe - Steil

Genre: Jazz
Label: Jazzhaus Records (inakustik)
CD, VÖ: - 24.09.2010

Eine heikle Terminologie, mit der die 10köpfige Männertruppe aus Köln und Mannheim da hantiert: ihr Bandname „Blassportgruppe” liegt verdächtig nahe bei der Vokabel „Kampfsportgruppe” und die mag keiner so richtig. Und auch der mit viel Blech steil aufgemotzte Ford-Mustang auf dem CD-Cover führt den potenziellen Hörer erst einmal auf einen klanglichen Holzweg. Rheinischer Humor hin oder her – die Blassportgruppe entpuppt sich bei näherer Betrachtungsweise als eine Mischung aus der finnischen Humppa-Kombo „Eläkeläiset” (optisch) sowie der österreichischen Blechblas-Komödianten „Mnozil Brass”, einer deutschen Poetry-Nachwuchsband und einer internationalen Bigband (akustisch). Bei soviel Durcheinander ist also intensives Hören angesagt und tatsächlich läßt sich die Blassportgruppe kaum mit vergleichbaren Maßstäben aus der bisher bekannten U-Musik vergleichen. Unverkennbares Fundament ist natürlich erst einmal der Jazz, das hört man gleich. Ausgefeilte Arrangements, die jeder Bigband herkömmlicher Prägung Freudentränen in die Augen treiben, knackige Soli von Posaune, Saxophon, Flügelhorn oder Trompete und eine professionelle Teamarbeit, die auf der Basis der traditionellen Lehre angesiedelt ist. Hinzu gesellt sich allerdings neuer deutscher Gesang aus der Kehle von Tobias Christl, was einerseits sicher als Stilbruch gedacht ist, andererseits aber konsequent deutsches Kulturgut aus der Pop-Ecke mit der hohen Schule des Musik-Konservatoriums versöhnen und verquicken soll. Münchner Freiheit trifft auf Voralpengebläse (Solang’ man Träume noch leben kann), Rio Reiser auf das Tom Isfort Orchester (Junimond) oder Ray Charles auf die neudeutsche Jazzwelle. Die Blassportgruppe wandelt auf ungewohnten Pfaden und kreuzt dabei so manchen ausgetreten Fahrweg. Das macht diese Platte einerseits sehr interessant, führt aber auch manchmal zu leichten Verwirrungen.

www.blassportgruppe.de