Neue Platten

Theo Bleckmann - Anteroom

Genre: Ambient
Label:Traumton (Indigo)
CD, VÖ: - 21.06.2005

Vor kurzem war an dieser Stelle von kleinen geilen Platten die Rede, die das Berliner Label Traumton immer wieder unter die Leute bringt. Klein und geil heißt da vor allem, heitere Beschwingtheit auf hohem Niveau. Nicht ganz so beschwingt und auf ganz eigenem Niveau präsentiert sich das neueste Werk von Theo Bleckmann, eine Ambient-Scheibe, die viele sicher erst einmal falsch verstehen dürften. Denn obwohl Bleckmann in seiner derzeitigen Wahlheimat New York vor allem als exaltierter Sänger bekannt ist und „Anteroom” als sogenannte „Solo-Vocal-Suite” gehandelt wird, pult man sich erst einmal 48 Minuten lang in den Ohren. Solange dauert nämlich der Titeltrack und da ist von „Gesang” im herkömmlichen Sinne kaum die Rede. Vielmehr breiten sich da auf- und abschwellende ambiente Klangflächen aus, so groß wie Fußballfelder und so ereignisreich wie ein Langstreckenflug. Es ist die Kunst des Wartens, die hier demonstriert wird. Der „Anteroom” als schwebende Wartehalle „for things to come”. Bleckmann auf einem Spacenight Trip. Wo er doch sonst so konkret zu Werke geht. In Zusammenarbeit mit Künstlern wie Laurie Anderson, Anthony Braxton, Philip Glas, Meredith Monk oder den Bang On A Can Allstars (Stichwort Iva Bittová!). Oder als Performer von Eisler, Strauss, Weill und Kraftwerk.
Wie dieses engmaschige Klangnetz letztendlich technisch zustande kam, darüber läßt sich der Künstler nicht aus. Lediglich eine Hilfestellung bekommt man im Booklet an die Hand:„No electronics have been used to alter the sound or pitch of the voice”. Den Rest muß man sich eben denken und sich mit einem Eimerchen Fantasie vorstellen, hier singt einer. Ohne Worte, transparent wie eine Schaufensterscheibe, sensibel nuanciert und von nicht unerheblicher Vielschichtigkeit.
„Richtig” gesungen wird aber dann doch noch. Zumindest etwas. Auf dem knapp 6-minütigen „A Small House Can Carry As Much Happiness As A Large One” erleben wir Bleckmann in andächtiger, fast schon choraler Minimalperformance. Es ist also sicher keine schlechte Idee, den Namen Theo Bleckmann im geistigen Hinterstübchen als nicht ganz uninteressant abzulegen. Diese Platte ist jedenfalls nur was für Verkoster von nicht ganz Alltäglichem.

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