Neue Platten

Natacha Atlas - Mounqaliba

Genre: Orient-Pop
Label: World Village (Harmonia Mundi)
CD, VÖ: - 17.11.2010

Das Universum der Natacha Atlas beschränkt sich zusehends auf einen arabisch-orientalischen Dunstkreis, den sie von Platte zu Platte weiter ausbaut. Vorbei sind die Zeiten, als noch programmierte Beats und der Londoner Underground den Ton angaben. Frau Atlas hat sich im Laufe der letzten Jahre emanzipiert, sie bedient sich der kulturellen Schatzkiste ihrer ägyptischen Herkunft, greift aber auch immer wider gern auf die historischen Grundpfeiler der mitteleuropäischen Popmusik zurück. So ist denn auch „Mounqaliba” wieder zu einem Kunstwerk geworden, das einen Spagat zwischen West und Ost versucht. Auf der einen Seite dunkle Themen­kreise aus der Tiefe nahöstlicher Poesie und Lyrik, interpretiert von einem 20-köpfigen türkischen Ensemble, mit Unterstützung des in Ägypten aufgewachsenen Violinisten Samy Bishai, der unter anderem auch mit internationalen Stars wie Tom Jones oder Gwen Stefani zusammengearbeitet hat. Andererseits interpretiert Natacha Atlas hier Songs von Françoise Hardy oder Nick Dake auf ganz eigene Weise, was sicher ihrer Soziali­sa­tion in Belgien und Großbritannien zu verdanken ist. Als drittes Element fügt sie sogenannte Interludes ein, eine Kombination aus Soundschnipseln von Feldauf­nahmen mit Zeitgeistbezug und damit verwobenen jazzigen Instrumental­einschüben. Einige der orientalisch angelegten Stücke mit ihren oppulenten Streicher­einlagen und klappernder Perkussion implizieren verschwenderische Fülle und vehemente Emotionen, bleiben nicht selten jedoch mangels Tiefgang und fehlendem Gänsehaut-Feeling an der Oberfläche kleben. Dennoch wäre es falsch, dieses Album als mittelmäßig einzustufen. Natacha Atlas ist und bleibt eine famose Mittlerin zwischen den Kulturen.

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