Neue Platten

Fei Scho - Ungrantig

Genre: Bayern/Folk
Label: Galileo Music (Galileo MC)
CD, VÖ: - 18.10.2010

Zu einer eindeutig postiven oder negativen Beurteilung dieser CD kann und will man sich einfach nicht durchringen. Da haben sich also zwei Musiker­innen und drei Musiker aus dem Münchener Dunstkreis zusammengetan und sich auf den Namen „Fei Scho” geeinigt, der außerhalb süddeutscher Demarkationslinien meist nur mit Hilfe von Nativespeakern zweifelsfrei gedeutet werden kann. Ähnliches gilt für den Titel dieses Albums, der zugleich einen Hinweis auf den Gemütszustand der Band­mitglieder geben soll, gelten Bayern doch erst einmal als grantig, also griesgrämig. Zur Aufgabe haben sich „Fei Scho” gemacht, der bayerischen Traditionsmusik neue Ansätze zu entlocken. Das ist ihnen zweifelsfrei auch gelungen. Einerseits sind da die 18 Instrumente, auf denen sie durch die Bank virtuos zugange sind und der spritzige Harmoniegesang, den sie perfekt beherrschen. Andererseits weist die Wahl des komplett selbstgebastelten Repertoires so manche Fallstricke auf, über die man als überregional und genreübergreifend denkender Musikkritiker leicht ins Schleudern kommen kann. Eindeutig auf der Plus-Seite rangieren Stücke, die dank ihrer tief empfundenen Zufriedenheit heimelige Wirtshaus­atmosphäre, freundliches Kaffeehaus-Flair oder berglerisches Freiheitsgefühl ausstrahlen.
Ein wenig problematischer wird die Sache allerdings, wenn sich das Instrumen­tarium in Richtung mittelalterlicher Müsli-Jahrmarkt bewegt oder die kompositorischen Einfälle in Richtung Soundtrack für die Augsburger Puppenkiste tendieren. Etwas peinlich berührt ist man schließlich, wenn das Ensemble auf vermeindlich hippe Stilmittel wie HipHop oder funky Wahwah-Gitarre zurückgreift. Das ist dann so, wie wenn Guido Westerwelle einen Faschingsvortrag hält.
Und nun noch kurz zum Thema Sommerhit. Den gibt es auf dieser im Oktober erschienen CD nämlich auch. Sogar in zwei Varianten. Die normale und die hochoffizielle. Nach Aussage der Band sei letztere die glattgebügelte, erweist sich aber dank den lustigen Steeldrums als die wesentlich interessantere.
Ganz besonders weitsichtig wollte man beim Booklet sein. Da wurde konsequent alles (egal ob Song-Titel, Kommentare, Interview oder mundartliches Idiom) fein säuberlich ins Englische übersetzt, was des öfteren zu peinlichem Kopf­schütteln führt. Aus einem „Edelknab” wird da recht unoriginell ein „little prince” oder aus „kimmst auf d’Nacht umma?” ein ebenso harmloses wie flaches „will you come when it’s dark and make my day”. Da beweist sich also einmal mehr, dass ein Dialekt mit allen seinen Spitzfindigkeiten halt nur bedingt übersetzbar ist und am Ende eben nur ein hölzernes Transskriptum herauskommt, das dem potenziellen Auslandskunden die wahre Mundartpoesie vorenthält.

www.fei-scho.de