Neue Platten

Club der Toten Dichter - Eines Wunders Melodie

Genre: Indiepop
Label: ZuG-Records (Edel Kultur)
CD, VÖ: - 29.10.2010

Würde man diese CD im Blindflug hören, würde sich sicher der eine oder andere Mensch wundern, wie schön in diesem popmusikalischen Umfeld doch mit der deutschen Sprache umgegangen wird. Vielleicht deucht es ihm ja sogar, dass ihm die eine oder andere Zeile etwas bekannt vorkommt. Ja, hier waren beschlagene Zimmerleute am Werk, die sich sowohl mit Indiemusik als auch mit der deutschen Dichtung reichlich auseinandergesetzt haben. Rilke heißt der Fundus, aus dem hier kräftig geschöpft wurde, Rainer Maria. Und der Mann mit der Schöpfkelle heißt Reinhardt Repke, ein Musiker, der sich schon länger mit der Hinterlassenschaft deutschsprachiger, aber toter Dichter beschäftigt hat. Mit Heinrich Heine fing es 2005 an, weiter ging es mit Wilhelm Busch und als drittes widmet sich Repkes Club der Toten Dichter nun dem Meister des Symbolismus, der mit nur 51 Jahren 1926 an Leukämie starb.
In diesem Zusammenhang muss einem natürlich auch ein anderer Entwurf in den Sinn kommen, der sich intensiv mit Rilke auseinandersetzt. Schönherz und Fleer gingen bzw. gehen mit ihrem Rilke-Projekt indes andere Wege. Hier steht das von prominenten deutschen Schauspielern rezitierte Wort im Vordergrund, das vorwiegend und zugegebenermaßen gar nicht mal so schlecht von new-age-inspirierter Musik umschmeichelt wird. Der Club der Toten Dichter dagegen setzt auf die alternative Schiene im Rockbandformat und hält an mehr oder weniger strammem Indiepop fest, die Lyrik wird hier in emphatischen Gesang übersetzt. Dazu bedarf es natürlich eines entsprechenden Personals, das stimmlich passt und ordentlich Sympathie­werte ausstrahlt. Und da passt Club-Neuzugang Katharina Franck prächtig ins Gefüge. Viel hat die Berlinerin in ihrer Karriere schon herumexperimentiert, mit der Rilkeinterpretation öffnet sie nun ein weiteres Türchen in ihrem persönlichen Erfolgskalender. Alle Kompositionen stammen von Reinhardt Repke, der lang um einen intensiven Zugang zu Rilke gerungen hat. Manchmal ist ihm das, wie es scheint, locker aus der Feder geflossen, anderen Songs hingegen merkt man den schwierigen Kreativprozess schon eher an. Trotzdem bleibt diese CD ein bemerkenswertes Zeugnis, wie deutsche Dichtung der Vergangenheit kitschfrei aktualisiert werden kann.

www.club-der-toten-dichter.de