Neue Platten

Erik Truffaz - In Between

Genre: Jazz
Label:Blue Note (EMI)
CD, VÖ: - 29.10.2010

Wem beim Stichwort „Europäische Jazztrompete” bestenfalls ein Till Brönner einfällt, hat schon verloren. Einen Sonderpreis erhält, wer Nils Petter Molvær nennt. Der Haupttreffer allerdings ist dank seiner Innovationsfreude bei gleichzeitiger Langzeit-Beständigkeit der Franco-Schweizer Erik Truffaz, der bereits seit 1997 bei Blue Note zuhause ist und mit „In Between” nun die Schallgrenze von 10 Alben (darunter „Arkhangelsk“) weit überschritten hat. Und er wirkt mit seinen 50 Jahren frischer als manch jüngerer Kollege. Denn das Geheimnis seines Erfolgs war schon immer das Erarbeiten von Grenzerfahrungen zwischen Pop, Rock, HipHop und Jazz und das Miteinbeziehen von entsprechenden Künstlern der jeweiligen Szenen wie dem Rapper Nya oder den Sängern Christophe und Ed Harcourt. Eine tief in sich ruhende Spielweise und das Skizzieren von getragenen bis rockenden Soundskulpturen sind wesentliche Bestandteile seiner bisherigen Alben. Und auch „In Between” zählt wieder zu den eindringlichen Schöpfungen moderner Fusionmusik, die unter die Haut gehen. Da ist zum einen die Wiederentdeckung der Langsamkeit. „Fujin” beispielsweise erinnert stark an die Kultalben der Ruhrpottler „Bohren und der Club of Gore”. Zum anderen bringen die beiden von Sophie Hunger gesungenen Tracks eine Prise von Singer-/Song­writer-Atmosphäre mit ins Spiel, eine Marschrichtung, die bei Truffaz erstaunlicherweise ebenfalls in besten Händen ist. Dann wieder pulsierender Jazzrock und als Gegenpol meditative Introvertiertheit. Ein Album voller Gegensätze, aber sinnlich bis in die letzte Note. Grandioses Album.

www.eriktruffaz.com