Neue Platten

Capri Di Rote Quintett - Narkoleptik

Genre: Jazz
Label:Blue Pearls Music (Indigo)
CD, VÖ: - 05.11.2010

Punk und Jazz haben etwas gemeinsam: beide wollen verstören. Beim Punk funktioniert das meist mit rudimentären bis mangelhaften Kenntnissen der Instrumentenhandhabung, beim Jazz oft mit einer abenteuerlichen Ausführung von wohldurchdachter Konzeption und Komposition sowie einer hyperaktiven bis exzessiven Instrumentenbeherrschung. Beiden ist gemeinsam, dass sie vorsätzlich Schranken niederreißen und bewußt überall anecken wollen. Das Hamburger Kollektiv „Capri Di Rote” kann man getrost der Sparte Jazz-Avantgarde zuordnen, denn sie machen das komplette Gegenteil von dem, was beispielsweise im schicken Jazz­club- oder -Loungebereich angesagt ist oder sich beim gut sortierten Major-Label als angeblich innovativen Jazz durchwinken läßt. Hier wird fleißig seziert und demontiert, klanglich ausgereizt und energetisch umgewälzt. „Narkoleptik” ist eine musikalisch umgesetzte Mischung aus Narkotikum und Epilepsie, aus Hau-Ruck-Improvisation und wohldurchdachter Asymmetrie. Jörg Hochapfel (Piano), Gunnar Kockjoy (Trompete), Sebastian Hoffmann (Posaune), Oliver Karstens (Bass) und Dirk Dhonau (Drums) lassen einen wuchtigen und kraftvollen Gegenentwurf zum Wohlklangjazz entstehen und spielen dennoch mit den bekannten Bausteinen einer tief empfundenen Leidenschaft für improvisierte Musik. Hier fällt alles aus dem üblichen Rahmen und hält dennoch erstaunlichweise eine innere Balance.

www.capridirote.de