Neue Platten

Coconami - Ensoku

Genre: Singer/Songwriter
Label:Trikont (Indigo)
CD, VÖ: - 05.11.2010

Da durfte man natürlich gespannt sein, wie sich die japanisch-bayerische Wunder­erscheinung namens Coconami fortentwickeln würde, nachdem ihr Debutalbum so ein enormes Echo fand. Wenn sich hierzulande neben der einschlägigen Musik­presse auch noch die Süddeutsche und im Ausland gar die New York Times zu tosenden Beifallsbekundungen hinreißen ließen, so mag dies die Bedeutung dieses Kleinst­unter­nehmens, das mehr oder weniger als Schnaps- bzw. Bieridee in einer Beiz von München-Haidhausen geboren wurde, nur unterstreichen. Coconami 2 heißt jetzt „Ensoku” und das bedeutet „Reise“ oder „Ausflug” und ist nicht bloß eine konsequente Weiterführung des ersten Albums, sondern wartet mit kleinen aber feinen Neuerungen auf, die einem vor Verzückung erneut das Herz aufgehen lassen. In bewährter Manier sind da zunächst wieder die Coconami’schen Eigen­kompositionen, die kleinen japanischen Songperlen, die dank der Ukulelen und der herrlichen Stimme von Nami so kuschelig und heimelig klingen, als kämen sie direkt aus einer fernöstlichen Schlagerschatulle. Wunderbar auch wieder die unnachahmlichen Coverversionen, die dies mal von Tilman Rossmy (Loswerden), dem Kompo­nisten-Duo Jerry Leiber und Mike Stoller (Three Cool Cats) oder von Guns N’Roses (Sweet Child o’ Mine) stammen. Dass es den japanische Evergreen Sukiyaki von 1963 nicht schon auf das Debutalbum verschlug, war nur schwer nachzuvollziehen, passt er doch wie angegossen ins Coconami-Repertoire. Nun endlich wird er mit an Bord geholt. Fast etwas zu kurz kommt einem bei diesem 15-teiligen Potpourri der bayerische Songanteil vor, der auf dem Debut noch für das meiste Aufsehen sorgte. Wie frisch aus der Augsburger Puppenkiste hüpft die „Sternpolka“ vorüber und der „Boarische in C” könnte selbst noch irgendwo in der hintersten Jachenau die heimische Stubenmusi locker übertrumpfen. Todtraurig und doch irgendwie lustig Ferdl Schusters „Kaiserbirne”. Und was ist neu: Italienisch für Anfänger (Tintarella Di Luna), der Einsatz einer Suzuki Andes, die wie eine Melodika funktioniert, sich aber wie eine Flöte anhört und das Artwork aus der Marzipan-Konditorei Tanpopo. Da hilft nur eins: sich schnellstens auch dieses zweite Schmankerl zulegen.

www.trikont.de