Neue Platten

The Rough Guide To The Music Of The Sahara - (V. A.)

Genre: Desert Folk
Label:World Music Network (Edel)
CD, VÖ: - 27.06.2005

Musik aus dem großen Sandkasten. Größer als Europa, von gerade mal 2,5 Mio Menschen bewohnt und mit einem kulturellen Reichtum gesegnet, von dem so mancher Feuilletonist nur einen Dunst von Ahnung hat. Der Rough Guide To Music hat sich konsequenterweise auch diese Gegend zur Brust genommen und wie erwartet auch hier einen kleinen Schatz gehoben, der beim ersten Lauschangriff vielleicht ein bißchen unscheinbar und bescheiden und sogar etwas spröde tönt, der aber mit der Zeit erheblich an Kontur gewinnt und nach der Beträufelung mit etwas Aufmerksamkeitswasser sogar richtig schöne Blüten entwickelt.
Wer treibt sich da nicht alles herum! Tuareg, Fulani, Moor und Tubu, Berber, Bambara, Wolof, Dinka und Sahraouis. Alle haben ihre eigene Musiktradition und wir haben das Privileg, da mal, wenn auch nur für 63 Minuten, reinhören zu dürfen. Zur großen Überraschung werden viele Beiträge von Frauen (z. T. Freiheitskämpferinnen) beigesteuert. Aziza Brahim und Mariem Hassan gehörten z. B. der Polisario an, die gegen Marokko und dessen Gebietsansprüche kämpften. Ihr Repertoire reicht dabei von butterweichen Klageliedern bis zu schroff intonierten Powertracks. Aus der näheren Nachbarschaft Mauretanien stammt die junge Malouma, die auf ganz eigene Art versucht, ihrer Heimattradition mit der Verknüpfung mit Jazz, Rock und Blues neue Horizonte zu verleihen. Hasna El Becharia aus Algerien dagegen greift in bester call-and-response Technik die afro-arabische Komponente auf, die noch auf die koloniale Skalvenzeit zurüchgeht.
Ja und dann begegnen wir natürlich auch den diesjährigen World-Music-Award-Gewinnern Tinariwen, dem sparsamen Wüstenblues des Tartit Ensembles und dem Landsmann von Ali Farka Touré, dem jungen Seckou Maïga, der erst 2002 sein CD-Debut feierte. Insgesamt 13 Tracks also die beweisen, daß der Desert Rock ‘n’ Roll eine genauso große Anziehungskraft hat wie das geographische Phänomen Sahara. Mit dem großen Unterschied allerdings, daß man die CD bequem bei sich zuhause verstauen kann.

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