Neue Platten

Ulrike Haage - in:finitum

Genre: Jazz
Label:Blue Pearls Music (Indigo)
CD, VÖ: - 14.01.2011

Im steten Wandel liegt die Kraft. Wer wüßte das besser als Ulrike Haage. Sie ist bestimmt kein Kind von Zögerlichkeiten, wechselt oft und gerne die Richtung und weiß sich jeder Herausforderung zu stellen, Neugier’s Karlchen läßt grüßen. Die lange Liste der verschiedensten Personalunionen beweist dies eindrucksvoll. Seit 2004 verfolgt sie allerdings den mühsamen aber lohnenswerten Weg der Solo­künstlerin und greift dabei immer wieder auf bewährtes Hilfspersonal zurück oder heuert, wie hier, auch mal gerne neue Namen, wie die Mezzosopranistin Franziska Markowitsch, an. Nach den Alben „SÉlavy“ (2004) und „Weißes Land” (2006) folgt nun „in:finitum” und erweitert das breite Spektrum der Wahlberlinerin um weitere Dimensionen, wobei allerdings das Genre „Elektronik” diesmal ganz unter den Tisch fällt. Schwankend zwischen Improvisation und strenger Komposition meandert dieses vortreffliche Album. Zerbrechliche Poesie wechselt sich ab mit kräftigen, jazzigen Passagen, liebliches Saxophon (Uwe Steinmetz) trifft auf klug gespieltes, stets den jeweiligen Erforder­nissen angepasstes Schlagzeug (Eric Schaefer). Losgelöst von Modeströmungen jeglicher Couleur wird man so in einen Kosmos begleitet, in dem man ansatzweise Tupfer von Michael Nyman, Keith Jarrett, McCoy Tyner oder Eric Satie erkennen kann, ohne jedoch auf eine schnöde Kopie zu stoßen. Ulrike Haage versteht es prächtig, alle diese Nuancen in ihrem ganz eigenen Kosmos zu verpacken. Märchenhaft Verträumtes, Anflüge von Pop, dann wieder kräftig zupackende Jazzpassagen – dem Schubladenmann wird es gewiss nicht leicht gemacht. Und doch ist es letztendlich das, was Haage damit bezweckt: Zeitlose Musik zu machen, die man sich auch noch in zwanzig Jahren problemlos anhören kann.

www.ulrikehaage.com