Neue Platten

Sergey Starostin - Zhyli-Byli

Genre: FolkJazz
Label: Jaro
CD, VÖ: - 25.03.2011

Das was Sergey Nikolajewitsch Starostin mit seiner neuen CD „Zhyli-Byli” abgeliefert hat, ist geradezu ein Paradebeispiel für sogenannte „Nischenmusik”. Der studierte Musikethnologe aus Moskau widmet sich hier ausführlich den bislang weitestgehend verborgenen Schnittstellen zwischen russischer Folklore und modernem Jazz und verlangt dabei den Anhängern beider Lager eine gute Portion Aufmerk­samkeit und Toleranz ab. Für den Jazz-Doktor mag „Zhyli-Bili” ein paar Kilo zu weltmusiklastig sein, der Folk-Medikus wird vermutlich über so manche Jazz­brocken stolpern. Mit anderen Worten: Russische Folklore à la Starostin ist sehr speziell. Schon zu Beginn des Albums wird schnell klar, dass hier nicht mit herkömmlichen Maßstäben gemessen werden kann. Der Einstieg aus a-cappella-Gesang und hektisch geblasenem Mundholz führt den Hörer mitten hinein in das ländliche Russland, weit ab von urbaner Zivilisation. Scharf­züngiger Frauenchor, schamanenhafter Männergesang und der Klang der Oberton­flöte Kalyuka vermischen sich zu einer mystischen Gemengelage. Und auch in der Folge greift Starostin tief in das traditionelle Folksongarchiv seiner Heimat, in dem er im Laufe der Jahre an die 3.000 Stücke zusammengetragen hat. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um Liebes- oder Wiegenlieder handelt, ob er mittelalterliche Weisen zusammen mit zwei jungen Folk-Sängerinnen interpretiert oder sich ganz auf instrumentelle Stücke verlegt. Sein Ziel ist klar und idealistisch zugleich: dem anspruchsvollen Hörer einen breiten Quer­schnitt vergessener Folklore mit Hilfe von jazzig aufgearbeiteten Arrange­ments näher zu bringen. Dass er damit keinen Grammy gewinnen oder einen Platin-Silberling erringen kann ist ihm vermutlich eh klar. Ihm reicht es vermutlich schon, wenn er ein paar hundert CDs legal an den Mann bringt und seine Konzerte gut besucht sind. Mehr ist dann aber auch wirklich nicht drin.

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