Neue Platten

Siiri Sisask - Lingua Mea

Genre: Jazz
Label: JazznArts (In-Akustik)
CD, VÖ: - 16.02.2011

Ein Ausflug nach Estland ist jederzeit lohnenswert. Selbst wenn es sich nur wie hier um einen akustischen Trip in Form einer CD handelt. Siiri Sisask aus Rapla im Herzen von Eesti, gehört zu den führenden Musiker-Persönlichkeiten des Balten­staates und ihre Diskographie umfasst bisher acht Veröffentlichungen, die allerdings nur selten den Weg in mitteleuropäische Hände fanden. Mit „Lingua Mea” soll das nun anders werden. Das Label Jazz ’n’ Arts aus Mannheim ist das Wagnis eingegangen, eine hierzulande weitgehend unbekannte Künstlerin zu fördern. Man kann nur hoffen mit Erfolg, denn die Substanz ist vielversprechend. Wie der Albumtitel bereits andeutet, widmet sich Siiri Sisask nicht nur ihrer Heimatsprache, sondern stellt auch noch je einen Song aus der Mongolei und Korea in der entsprechenden Landessprache vor. Das alles zusammen soll nun einen neuen estnischen Sound ergeben, der für dieses Album über Jahre hinweg kreiert wurde. Maßgeblich daran beteiligt war Siiris Partner, der Pianist Kristjan Randalu, der für die durchweg jazzigen Arrangements gesorgt hat. Die Stimme Sisasks pendelt stets zwischen erhabener Getragenheit, kraftvoll jazzigen Anwandlungen und folkloristischer Feinfühligkeit. Das zusammen ergibt ein zwar recht abwechslungsreiches Album, das allerdings nicht ganz frei ist von einer gewissen nordisch-mystischen Elegie, die sich allenthalben breit macht. Dagegen wirken das weiche Helenos String Quartet, die nonchalente Arbeit von Carsten Netz mit Klarinette und Saxophon, sowie der mitunter kraftvolle Einsatz von Drummer Paul Wiltgen und Bassist Oliver Potratz. Ob hier nun ein neuer Sound von Estland im Kommen ist, mag dahin gestellt bleiben. Wir meinen, das ist ganz einfach klug gemachter, nicht immer ganz problemlos zu goutierender, internationaler Jazz.

www.siirisisask.com
www.randalu.com