Neue Platten

A Hawk And A Hacksaw - Cervantine

Genre: Balkan/Folk
Label: LM Dupli-Cation (Cargo)
CD, VÖ: - 15.02.2011

Ja, da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich. Was da so hochprofessionell nach Balkan klingt, ist in Wahrheit „made in USA” und, genauer gesagt, in Albu­querque, New Mexico entstanden. Für die Rumtreiber in einschlägigen Insider­kreisen sind „A Hawk And A Hacksaw” aber natürlich alles andere als unbeschriebene Notenblätter. Im Gegenteil. Nach den Alben „The Way the Wins blows” (2006) und „Déliverance” (2009) war man schon gespannt, aus welcher europäischen Ecke Jeremy Barnes (Akkordeon) und Heather Trost (Violine) denn nun diesmal berichten werden. Zusammen mit knapp einem Dutzend Ergänzungsmusiker haben sich die beiden diesmal auf den Sound von Serbien, Rumänien und Mazedonien gestürzt, verbunden mit Einflüssen aus dem spanisch/mexikanischen Kulturkreis. Den Auftakt dieses Albums bildet ein 8-minütiges, furioses Konzentrat aus wilder Balkanextase, eine Orgie aus Tanzwut und verquerer Rhythmik, ein Gänsehaut erzeugender Melodie­reigen aus Roma-Herzblut und Hardcore-Folklore. Kaum zu glauben, dass Jeremy Barnes früher einmal Drummer der Indieband „Neutral Milk Hotel” war und heute solch ein behendes Akkordeon spielt, das zwischen Belgrad und Sofia ein sicherlich gern gesehender Gast wäre. Dazu das wilde Gegeige seiner Partnerin, die manchmal nicht ganz astreinen, aber dafür um so überzeugenden Töne der angeheuerten Blechbläser, eine glänzend disponierte Sängerin polnischen Ursprungs, eine unkonventionelle, aber hochspannende Kreuzung aus jugoslavischem Kolo-Tanz und mexikanischen Mariachi-Impressionen, ein türkischer Klassiker in neuem Gewand – all das trägt dazu bei, daß ”Cervantine” zu einem Album geworden ist, das man kaum mehr aus der Hand legen möchte. Zusammen mit der etwas älteren CD „Gulak Orkestar” von „Beirut” sicher eines der interessantesten Werke auf dem Gebiet der alternativen Folklore und absolut unverzichtbar für jeden Balkan-Freund.

http://ahawkandahacksaw.blogspot.com/