Neue Platten

Ali Farka Touré & Toumani Diabaté - In The Heart Of The Moon

Genre: African Folk
Label:World Circuit (Indigo)
CD, VÖ: - 27.06.2005

Wenn es so etwas gäbe wie afrikanische Kammermusik, dieses Album wäre ein Paradebeispiel dafür. Zwei ganz große Westafrikaner haben da zueinandergefunden, beide grandiose Saitenvirtuosen. Touré, der Gitarren-König des Wüstenblues und Diabaté, majestätischer Koraspieler aus der Kaste der Griots. Beide kennen sich seit Jahren, verehren einander, vertrauen sich blind und haben dieses Album entsprechend in kürzester Zeit eingespielt. Um genau zu sein in 3 Sessions zu je zwei Stunden. Das Ergebnis ist von traumhafter Feinheit, hat enorme Tiefenwirkung und gehört mit zum besten, was der afrikanische Kontinent je hervorgebracht hat.
Dem mit den Feinheiten afrikanischer Musik nicht so vertrauten Hörer (und das werden sicher die meisten sein) wird es dabei kaum auffallen, daß hier sowohl musikalisch als auch geographisch-gesellschaftlich zwei Welten aufeinanderprallen: hier die Mandingo-Tradition der königlichen und aristokratischen Zirkel aus dem Süden und das bedeutet Bamako (repräsentiert durch Diabaté) mit ihrer komplexen heptatonischen Harmonielehre und dort die einfachere, ländliche, dem Blues ähnliche pentatonische Tradition der westafrikanischen Nomaden im Norden und das bedeutet Niafunké (repräsentiert durch Ali Farka Touré). Aber wie gesagt: wer’s nicht weiß, den machts auch nicht heiß. Will sagen, es ist die schlichte Schönheit dieser 12 Aufnahmen, die einen faszinieren, und nicht so sehr die Kategorisierung in irgendwelche Schubladen.
Touré und Diabaté brauchten keine Proben, ein kurzes Einspielen genügte und los ging die Session. Das merkt man bei allen Kompositionen. Alles fließt und bordet beinahe über vor beiläufig entstehender Harmonie. Ursprünglich sollte Diabaté dem Meister des Niger-Blues nur auf einem Stück mit seiner Kora zur Seite stehen, aber nachdem „Kaira” im Kasten war, entschied man sich ganz flugs um und macht ein ganzes Album draus. Coole Sache, denn so ein Zusammentreffen erlebt man nicht allzu oft. Mit dabei auch noch der unvermeidliche Ry Cooder, der auf einigen Tracks zu Piano und Gitarre greift, der Buena Vista Bassist Orlando López, Sekou Kanté (Sohn von Manfila Kanté, der von der Rail Band and the Ambassadeurs) ebenfalls am Bass und Ry Cooder Sohn Joachim mit ein bißchen Perkussion. Ein Album, dessen Echo noch lange nachhallen dürfte.

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