Neue Platten

Meike Koester - Seefahrerherz

Genre: Singer/Songwriter
Label: Eve’s Apple Music (In-Akustik)
CD, VÖ: - 25.02.2011

„Meike Koester steht in der Tradition großer amerikanischer Singer/­Songwriter”, lehrt uns das Info-Blatt, das dem Journalisten mit an die Hand gegeben wird, um den stilistischen Rahmen dieser CD „See­fahrer­herz” gebührend zu umschreiben. Es sei auch ein Album mit feinstem „RockPop”, wo sich „augenzwinkernde Rumba”, „schwungvoll-wehmütiger Country”, „reife Chansons” und „strahlende Rocksongs” die Hände reichen. Ein Album ohne Limitierung soll es sein, farbig, spannend und voll von „mitreißendem Groove“. Bei so viel positivem Vorschuss ist aber wie immer erhöhte Wachsamkeit geboten, bedarf es einer umso genaueren Analyse dessen, was da als Resumée mit einem „ersten Stern für ein Album des Jahres” bedacht wird. Und da kommen die 15 Songs aus Meike Koesters Sefahrerschatulle dann doch nicht mehr so schillernd rüber, wie sie selbst oder ihre Getreuen es gerne hätten. Sicher, sie hat sich viel Mühe gegeben, aber das macht eigentlich jeder Künstler mit seinem Baby. Sie hat üppig aufgetragen, hat neben ihrer akustischen Gitarren­arbeit Streicher, Pedal-Steel-Guitar, Sitar, Posaune, Akkordeon und Piano angeheuert, hat der Verpackung ordentlich Seemannsromantik angedeihen lassen und der CD ein dazu passendes hübsches Abziehtattoo beigelegt. Allein das alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es den Songs durchwegs an melodiösem Einfallsreichtum mangelt, alles nach „schon hundert mal gehört” klingt und die Texte zwar ambitioniert, aber doch irgendwie seltsam konstruiert und dadurch aufgesetzt und poetisch angestrengt anmuten. Der deutschen Sprache wirklichkeitsnahe und gelenkige Alltagspoesie abzuringen, verstehen eben nur wenige. Meike Koester hat sich sehr engagiert, hat reichlich „Herzblut” vergossen, kann aber am Ende nicht wirklich überzeugen oder berühren, geschweige denn genug Charisma ausstrahlen um mitzureißen. Zu deutlich sind die adaptierten Einflüsse jenseits des Atlantiks auszumachen, zu oft lugt der deutsche Anspruchsschlager hervor und zu gering ist der individuelle Input, der am Ende eine gelungene Authentizität ausmacht.

www.meikekoester.de