Neue Platten

Marianne Dissard - L’Abandon

Genre: Indie
Label: Le Pop Musik (Groove Attack)
CD, VÖ: - 25.02.2011

Mit der Musik von Marianne Dissard tut man sich sicher nicht leicht, wenn man von ihr schöngeistigen Franco-Pop erwartet. Der aber entsteht vorzugsweise im Pariser Dunstkreis. Marianne Dissard dagegen stammt aus dem etwas rauheren Pyrenäen-Umfeld und war vielleicht deshalb schon immer etwas anders gepolt, als der Rest der französischen Popszene. Und so zog sie es auch vor, ihrem damaligen Mann Naïm Amor nach Tuscon/Arizona zu folgen und ihr Album „L’entredeux” vom Calexico-Musiker Joey Burns produzieren zu lassen. Nun ist die Ehe mit Amor dahin und der musikalische Ausdruck verlangt nach einer Neuausrichtung. Und wenn man „L’Abandon” in seiner Gesamtheit betrachtet, muss man zu dem Ergebnis kommen, dass hier weitaus borkiger zu Werke gegangen wurde. Dissards neuer Komposi­tions- und Produzentenpartner ist nun der Italiener Christian Ravaglioli, auf dessen Kappe zehn der elf Stücke auf dieser CD gehen. Marianne Dissard schrieb parallel zu seiner Arbeit die Texte. Das was sich als homogene Einheit nun präsentiert, ist allerdings manchmal etwas ungelenk und auch vielleicht zu vollgestopft mit allerlei Ravagliolischem Ideensalat und hat außer mit der Sprache nur noch wenig mit typisch französischem Pop zu tun. Das scheint aber wiederum ganz im Sinne der Französin gewesen zu sein, denn wer sich im Waterworks Studio zu Tuscon mit der ortsansässigen Musikerriege von Calexico bis Giant Sand einfindet, zielt mehr auf Indierock ab, als auf ein Kaffeekränzchen auf dem Montmartre. Und knackige Rock­strukturen, Slide-Gitarren, Mariachi-Bläser sowie Impressionen aus einer Wüstenkneipe passen vielleicht auch besser zur Bewältigung einer gescheiterten Beziehung. Dieses Album nimmt einen nicht gleich mit offenen Armen auf, man muss sich eher die zweifelsohne vorhandenen Vorzüge peu à peu erarbeiten.

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