Neue Platten

Kronos Quartet, Kimmo Pohjonen - Uniko

Genre: Crossover
Label: Ondine
CD, VÖ: - 14.02.2011

Wer die lange Liste der Veröffentlichungen des Kronos Quartets durchforstet, wird neben vielen bedeutenden Interpretationsprojekten (u.a. Steve Reich, Philip Glass, Terry Riley) auch jede Menge genreübergreifender Kooperationen finden. Amon Tobin, Alim und Fargana Qasimov, Tom Waits, Asha Bhosle oder Taraf de Haïdouks sind hier nur einige Namen, die mit dem angesehenen Streichquartet gemeinsame Sache gemacht haben. Auch der finnische Extrem-Akkordeonist Kimmo Pohjonen hat schon so manche wuchtige Kollaboration auf dem Kerbholz. Auf die Liaison mit den Progressive-Rockern Trey Gunn und Pat Mastelotto (ex King Crimson) oder mit dem französischen Donner-Drummer Eric Echampard sei hier nur kurz hingewiesen. Da war es also nur eine Frage der Zeit, wann sich diese beiden Avantgarde-Pole zu einer gemeinsamen Reise durch Schall und Raum zusammentun würden. Und wie zu erwarten, ist auch diese Operation wieder zu einem ganz besonderen Leckerbissen gereift, der beweist, dass beide Seiten in der Lage sind, ihrer bisherigen Arbeit noch mal eins oben drauf zusetzen. Sieben Stücke aus der Pohjonen’schen Trickkiste hat man hier herangezogen und zusammen mit Pohjonens Perkussionsgefährten Samuli Kosminen in ein knapp 52-minütiges Oratorium überführt, das weniger durch hartes Darufgängertum begeistert (Pohjonen kann da solo schon mal ein ganz schön dickes Fass aufmachen), sondern durch geschmeidig-modernistische Soundscapes, die konzeptmäßig allerdings nicht immer ganz so glattgebügelt daherkommen, wie man es bei der Konstella­tion Streicher/Akkordeon annehmen könnte. Pohjonen hält sich hier mit seinen Elektronikspielereien auffällig zurück, wird zum Teil sogar recht handzahm und überläßt den vier Amerikanern weitestgehend die Führung. Einzig bei dem Titel „Emo” schlagen die Dezibel-Zeiger schon mal heftiger aus, um dann allerdings gleich wieder zu fast schon dämonischer Soundzauberei in sich zusammenzusacken. Man muß also schon sehr genau hinhören, um alle klanglichen Besonderheiten herauszufiltern - und die gibt es wahrlich in Hülle und Fülle. Da wurde wieder mal ganz großes Kino angeknipst, für das man sich allerdings erst mal etwas locker machen sollte, um sich dann genüsslich berieseln und verzaubern zu lassen, denn hier geht es nicht um bedächtige Kammermusik.

www.kronosquartet.org
http://kimmopohjonen.com/