Neue Platten

Polskie Tango 1929–1939 - (V. A.)

Genre: Tango
Label:Oriente (FMS)
CD, VÖ: - 01.07.2005

Was wissen wir über polnische Zwischenkriegskultur der Jahre 1929 bis 1939? Vermutlich herzlich wenig. Und vermutlich noch viel weniger über die Tatsache, daß in dieser Zeit der Tango, ähnlich wie in Russland, Rumänien, Italien oder Griechenland, ja sogar in Ägypten ein ganz heißes Ding war. Heute schert das keinen mehr, das große Tuch des Vergessens hat sich über das einst so blühende gesellschaftliche Nachtschwärmer-Gefühl gelegt. Nur ab und zu gibt es ein paar Besessene, die den alten Kram wieder zum Vorschein holen und sich sogar die Mühe machen, restauratorische Maßnahmen zu ergreifen, damit wenigsten der bescheidene Rest nicht dem allgemeinen Gedächtnisschwund anheim fällt. In diesem Fall ist es Jerzy Placzkiewicz, der in akribischer Kleinarbeit dem Polskie-Tango-Phänomen jener Zeit nachgespürt hat und alles in fast schon musealer Exaktheit angehäuft hat.
Seine hier vorgestellten 22 Polen-Tangos sind nur ein kleiner Teil seiner unfassenden Sammlung. Zusammen mit den von ihm gehorteten Plakaten, Noten, Zeitungsartikeln und vielem mehr dokumentieren sie die glorreiche Zeit der 30er Jahre, als vor allem die jüdischen Musiker den Tango in Polen so beliebt machten. Und so wundert es auch kaum, wenn diese Tradition heute ein für allemal ausgelöscht scheint.
Für alle passionierten Tango-Freaks ist daher diese wertvolle Sammlung ein gefundenes Fressen und ein kleines Raritäten-Archiv noch dazu. Was in Warschauer Varietés und Tanzhallen einst ein großer Renner war, hier wird es wieder lebendig. Manchmal etwas ramponiert oder leicht lädiert, aber immer von kultivierter Weichheit und sentimentaler Romantik gekennzeichnet. Vielleicht ist polnisch in unseren Ohren nicht gerade die eleganteste Sprache, aber das wird durch die teilweise sehr hingebungsvollen Interpretationen (darunter auch eine deutsche Coverversion) der Künstler und Künstlerinnen locker wieder wett gemacht.

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