Neue Platten

Cowboy Junkies - Early 21st Century Blues

Genre: IndiePop
Label:Latent/Cooking Vinyl (Indigo)
CD, VÖ - 01.08.2005

Genau genommen reiten die Cowboy Junkies den selben Gaul ja eigentlich schon seit Jahren. Und der trottet nach wie vor schön brav, milde und gemächlich zwischen Blues, Country und Pop hin und her. Trotzdem scheint der Klepper komischerweise nie so recht in die Jahre zu kommen. Er ist fast so etwas wie ein guter alter Freund, der sich zwar nie aufdrängt, aber wenn er einmal gerade da ist, einen stets mit einem freundlichen Wiehern begrüßt und einem den Hauch von Gras, Prairie und Lagerfeuer durch seinen breiten Nüstern entgegenpustet. Und gleich fühlt man sich angenehm berührt, entspannt und mit der Welt im Reinen.
Und so ist auch der „Early 21st Century Blues” der Junkies wieder ein gediegenes und gemütliches Kapitel kanadischer Landästhetik und dennoch ein kleiner Wolf im Schafspelz. Denn statt Melkschemel- und Pusteblumen-Romantik greifen die Herrschaften aus Toronto textlich dann doch lieber Themen auf, die sich mit den dunklen Seiten menschlicher Existenz beschäftigen wie Krieg, Gewalt, Habgier oder Angst. Aber sie verpacken all dies wie immer in gut riechende Holzwolle, sprich in ein breites Sortiment aus traditionellen Instrumenten wie Akkordeon, Banjo, (Pedal Steel) Gitarre, Cello und Mandoline. Dazu natürlich (auch wie immer) Margos unglaublich anrührende Stimme, ohne die die Junkies keine Junkies wären.
Kompositorisch hat man es sich diesmal etwas einfacher gemacht. Nur zwei neue Titel von John Timmins stehen auf dem Programm. Der Rest setzt sich zusammen aus zwei Traditionals sowie aus 7 Coverversionen und letztere entpuppen sich erst bei genauerem Hinhören als solche. Denn wenn U2, ein Bruce Springsteen, ein Bob Dylan, ein Richie Havens, ein John Lennon oder ein George Harrison auf Cowboy Junkies ummodelliert werden, muß man schon ein etwas besser informierterer Kenner der Materie sein, um dies auf Anhieb zu erkennen. Hinzu kommt noch, daß „Isn’t It A Pity” (Harrison), „You’re Missing” (Springsteen) oder „Handouts In The Rain” (Havens) nicht gerade radiophone Dutzendware sind, die CJ also hier eine kluge Auswahl getroffen haben. Ganz speziell und fast schon CJ-untypisch wird’s gegen Ende bei „Don’t Want To Be A Soldier”, wenn Spoken-Word-Artist „Rebel” die Rap-Schublade öffnet und diesen Lennon-Song mit einer rockig gejammten Attacke gegen das kriegsverherrlichende Heuchlertum versieht. Coole Sache also mal wieder aus dem Hause Cowboy Junkies und ein würdiger Nachfolger von „One Soul Now”.


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