Neue Platten

Cocada - Liberdade

Genre: Jazz
Label: Rodenstein Records (Our Distribution)
CD, VÖ: - 04.04.2011

Als fast uneingeschränkter Fan brasilianischer Musik befindet man sich automatisch in einer Zwickmühle, oder präziser ausgedrückt sogar in mehreren, denn die enorme Vielfalt an Stilen, Moden und Künstlern aus dem „País tropical” macht es einem nicht gerade leicht, sich für nur eine Sparte zu begeistern. Ob Favela-Baile-Funk, ob Mangue-Beat, schicke MPB aus den Metropolen, Perkussionsgewitter aus den Karnevals-Hochburgen, schwarzer Samba-Reggae, lauschiger Lounge-Jazz oder lyrische Singer/Songwriter - alles fixt den Brasilien-Junkie irgendwie an, erst recht wenn der vor Ort schon mal rhythmisches Blut geleckt hat. Insofern geht auch die in Deutschland beheimatete Banda Cocada als potenzieller Ansteckungsherd durch, auch wenn in den meisten Fällen davon ausgegangen werden muss, das außerhalb Brasiliens in der Regel nur die zweite oder dritte Musik-Liga am Start ist. Verbessern kann man diese Situation eigentlich nur dadurch, indem man authentisches Exil-Personal mit einbezieht. Nach diesem Prinzip ist man auch bei Cocada vorgegangen, denn lediglich mit der brasil-affinen Keyboarderin Tanja Mathias-Heinz, dem Bassisten Matin Simon und dem Saxer Olaf Schönborn ist nur ein sehr unvollständiger und wenig glaubwürdiger Brasil-Jazz-Torso am Start. Da macht es sich ganz gut, dass Gesang und Perkussion von indigenem Personal übernommen werden. Fausto Israel versieht den Sound der Band mit weicher portugiesischer Stimme und für den rhythmisch-vielseitigen Drive sorgt Cris Gavazzoni, die als examinierte Drummerin und Pandeiro-Spezialistin genau weiß, wie und wo man hinklöppeln muss. Cocada gewinnen mit ihrem samtenen Brasiljazz zwar keinen Innovationspreis, aber diese solide gemachte CD ist immerhin auch kein Durchfaller.

www.rodensteinrecords.com