Neue Platten

Desorden Público - The Ska Album

Genre: Ska
Label:Übersee (Alive)
CD, VÖ: - 18.07.2005

Südamerikas Ska-Pflaster ist leidergottes hierzulande ein ziemlich unbekanntes. Deswegen freut es einen ganz besonders, wenn sich führende Vertreter dieses Standes auch mal ab und zu in unseren Konzertsälen blicken lassen. So war Venezuelas älteste, größte (mit bis zu 13 Mann auf der Bühne) und natürlich auch erfolgreichste Ska-Band vor kurzem auf Europa Tournee und hat ebenso natürlich ganz feste die Hütte gerockt, das allerdings in personell deutlich abgespeckter Formation. Wohl dem, der dieses Spektakel mitbekommen hat. Und endlich wurde auch bei uns ganz offiziell zu diesem Anlass ein neues Album der Caracas-Ska-Rocker veröffentlicht. Zwar sind seit ihrem Debut von 1988 insgesamt noch 5 weitere (zum Teil platin-veredelte) Tonträger weltweit in Umlauf, aber hier hat man sich erst einmal zum Kennenlernen auf ein Best-Of Scheibchen geeinigt, das einen illustren Querschnitt durch die umfangreiche Bandgeschichte präsentiert.
Mit dem „Ska Album” kann man sich also schon mal einen ziemlich guten Überblick verschaffen, was Caplis und Horacio (die beiden Gründungsmitglieder) sowie deren Kumpels so alles drauf haben. Sehr authentisch und immer wieder gern bejubelt die 4 Vorzeige-Live-Nummern, die technisch zwar nicht unbedingt das gelbe vom Ei darstellen, dafür aber die stimmungsfördernde Jetztwollenwirmalallemitsingen-Atmo ziemlich gut rüberbringen. Mit dabei natürlich auch der jüngste Charts-Erfolg „Gorilón”, ein humorvoller und zugleich auch sozialkritischer Song, der einmal mehr verdeutlicht, daß DP nicht nur apolitische Lustigrocker sind, sondern sich auch ein paar Gedanken über das soziale Gefüge machen, das um sie herum herrscht. Und das ist in Venezuela ja bekanntermaßen eine ziemlich notwendige Tugend, Stichwort Chavez.
Was haben die Jungs sonst noch so drauf? Sie singen, wenn’s sein muß, schon mal auf japanisch (Tokyo Loco), kooperieren gerne mit Neville Staples von den Specials (Black Market Man), bauen immer wieder typisch lateinamerikanische Eigenheiten in ihre Songs mit ein (Como Sabroso, La Primera Piedra) oder kramen ganz unverblümt in der Oldies-Kiste, indem sie Shocking Blue’s „Venus” zu einem lockeren Offbeat-Stomper umfunktionieren.
Wie uns aus gut informierten Kreisen zugetragen wurde, ist das nächste Studio-Album bereits in der fortgeschrittenen Planungsphase. Man darf gespannt sein.

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