Neue Platten

Pina - Guess You Got It

Genre: Singer/Songwriter Rock
Label:PreRecords/Virgin (EMI)
CD,VÖ: - 25.07.2005

Irgendwie kann man es ja schon verstehen, wenn sich eine junge Musikerin, die mit alpenländischer Tradition nicht viel am Hut hat, im heimischen Österreich trotz erfolgreich abgeschlossener Nachwuchswettbewerbe mit ihrer Kunst dennoch etwas verkannt fühlt, nach neuen Ufern Ausschau hält und ihr Glück zum Beispiel in der ländlichen Einsamkeit Irlands auf die Probe stellt. West Cork ist zwar nicht Wien, aber dafür stolpert man auf irischen Folk-Festivals unter Umständen über einen Cranberries-Manager, der einem einen Support von Ani DiFranco verschafft oder über das Afro-Celt Sound System, das einen mit Peter Gabriel bekanntmacht. Und wenn der gerade gut drauf ist und außerdem was für Ösi-Bienen übrig hat, die nach einer kratzbüstigen Cindy Lauper klingen, kann es schon mal vorkommen, daß da nebenbei so ein kleiner Plattenvertrag herausspringt.
Für Pina sicherlich wie ein Sechser im Lotto, zumal sich das anschließend produzierte Baby mit Namen „Quick Look” zumindest im UK glänzend entwickelte. Und wenn’s schon mal so gut fluscht, sagte sich die Ösi-Biene, wird auch gleich nachgelegt. Dennoch unterscheidet sich Pina’s Zweitling erheblich vom Debut-Album, denn da mußten noch ein paar persönliche Tiefpunkte durch die Heißmangel gedreht werden. „Guess You Got It” dagegen ist schon fast ein quirliges Rock/Pop-Album und Pina zieht alle Register die ihr zur Verfügung stehen, wenn es darum geht, die positiven Veränderungen in ihrem Leben zu dokumentieren. Und das schafft sie nicht nur durch eine ziemlich abwechslungsreiche Instrumentierung, die in ihrer Spleenigkeit teilweise ein bißchen an alte Kate Bush Werke erinnert, sondern auch durch die unterschiedlichsten Stilrichtungen, in die sie ihre Songs verpackt. Dabei geht sie mit radiotauglichem Material und pophistorischen Rückblicken genauso professionell um, wie mit handfesten Singer/Songwriter-Skills oder pianogestützten Rock-Balladen.
Wenn Pina ein besonderes Markenzeichen hat, dann ist es wie gesagt ihre Stimme. Sicher nicht jedermann’s Sache, denn mit „holder Weiblichkeit“ kann man sie eher weniger umschreiben, dann schon lieber mit „röhrendem Rapunzel-Vibrato”. Das klingt jetzt vielleicht nicht super-schmeichelhaft, macht sie aber zu einem unverwechselbaren Unikat, dem man durchaus einmal sein Ohr schenken sollte. Denn so falsch kann ein Peter Gabriel schließlich nicht gelegen haben.


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