Neue Platten

Attwenger - Flux

Genre: Österreich Alternativ
Label:Trikont (Indigo)
CD, VÖ: - 15.04.2011

Es lebe die Prägnanz. Ganz besonders bei den Attwenger-Buam aus Linz. Album-Titel wie „Most“, „Pflug“, „Luft“, „Song“, „Sun“ oder „ Dog“ lassen trotz offensichtlich gut gewürzter Kürze genug Spielraum für mannigfaltige Interpretationen, die auf ethymologische Doppeldeutigkeiten und/oder ländliche Einsilbigkeit verweisen. Auch das neue Album „Flux” macht da keine Ausnahme. Nach fünf Jahren Abwesenheit haben Markus Binder und Hans-Peter Falkner wieder den Faden des mundartlichen Speedlandlers aufgenommen und ihn trickreich weiter gesponnen. Das geht schon mal ganz gut los mit einem ordentlichen Schüttler, der schwer nach aufgeputschtem Rock ’n’ Roll klingt. Mühlviertler Dialekt gereimt mit Kaugummi-Englisch - die Attwengers gehen mit der Zeit. In der Folge weitere 16 Tracks, die es ebenfalls in sich haben, kugelrunden Humor bieten und in ihrer Thematik wieder hart am Puls der Zeit angesiedelt sind. Es geht um so wichtige Dinge wie den „Mief”, das „Fressn”, den „Proberaum”, das „Internet“ oder das „Durch­drahn”. Das eng beschriebene Booklet leistet dabei wertvolle Dienste beim Nachvollzug der sprachlichen Fein- und Gemeinheiten, stellt umfangreiches Anschauungs­material bereit, wie Mundart im Dienste der Rhythmik genutzt werden kann. Produktionstechnisch hat man einen ordentlichen Schritt nach vorne gemacht: Die Basiselemente Schlagzeug und elektrifizierte Ziehharmonika werden auf „Flux” von allerlei Gimmicks wie Synthesizer und Background-Chor umspielt, was die Songs trotz ihrer an sich einfachen Struktur wesentlich interessanter und runder macht. Kein Wunder, hat man doch 20 Monate an diesem Album gehobelt und gefeilt. Was hier so scheinbar einfach und lässig dahingerotzt ist, war also in Wahrheit schweißtreibende Kleinarbeit. Der Aufwand hat sich allerdings gelohnt. „Flux” ist ein höchst genialer und vor allem spassiger Gegen­entwurf zur verkrusteten Volksmusik.

www.attwenger.at