Neue Platten

Skeletons - People

Genre: Independent
Label: Crammed Discs (Indigo)
CD, VÖ: - 29.04.2011

Die Maxime der Skeletons lautet: Zusammenarbeit, Experiment, Unvorhersehbar­keit. OK, das erste kann jeder nachvollziehen, der in einer Band was Produktives leisten will. Die beiden anderen Punkte sind einer Einstellung geschuldet, die man in der Indie-Szene mit Großbuchstaben schreibt, besonders in New York. Dort liebt man das Extraordinäre, den Spaß am musikalischen Gauklertum und das Themati­sieren von schrägen Themen. Die Skeletons gehören zum Tafelsilber der New Yorker Szene. Gruppenbesetzungen von 2 bis 18 wechslen ständig, das Album „People” wurde mit einem Trio (Matthew Mehlan, Jason McMahon und Jonathan Leland) aufgenommen, hinzu kamen drei weitere Musiker an Gitarre, Orgel und Violine. Thematisch befassen sich die acht Songs mit einem Kuriositätenkabinett, das in dieser Skurrilität nur in den USA zu finden ist: Wir erfahren beispielsweise die Geschichte von Tania Head, die nur deswegen 9/11 überlebt hat, weil sie immer ihren Geliebten und ihre anstehende Hochzeit vor Augen hatte. War aber alles nur ein einziger Fake, die Frau war nie in den Twin Towers. Oder: die Geschichte von Jimmy Damour, der bei einem Walmart Schlussverkauf zu Tode getrampelt wurde. Die Skeletons verpacken all diese bizarren Ereignisse in ebenso bizarre Sound­gemälde, die von Chaos bis lieblich reichen können. Gitarrenlastige, vielschichtige Kollagen, ein ambitioniertes Artrock-Gebilde, das den Hörer fordert. Hat ein bisschen was von den frühen Talking Heads oder den englischen Woodentops, die Ende der 80er Jahre ihr Unwesen trieben oder man denke an die Schotten von Long Fin Killie - eine ähnliche Baustelle. Mehlans Fistelstimme, jede Menge Gitarrengeflickere, störrische Holperbeats, Elektro-Geknuspere - das ist Innovation in Reinkultur. Aber nur was für Leute, die tief in solch eine Materie eintauchen wollen.

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