Neue Platten

DJ Hell - Coming Home

Genre: Crossover
Label: Stereo Deluxe (Warner)
CD, VÖ: - 29.04.2011

DJs outen sich. Hatten wir gerade noch einen erkenntnisreichen Blick auf die musikalischen Vorlieben von Richard Dorfmeister werfen dürfen, flattert uns schon das nächste Seelenstriptease ins Haus. Die Coming Home-Serie erfreut sich offenbar weiterhin großer Beliebtheit. Als nächster in einer illustren Reihe nach z.B. Tim Love Lee oder Nouvelle Vague präsentiert nun DJ Hell sein persönliches Musikalien-ComingOut, das unserer Meinung nach nicht ganz frei von Peinlichkeiten ist. Aber das sieht der Helmut Josef Geier aus dem oberbayerischen Altenmarkt an der Alz natürlich ganz anders, sonst hätte er sicher eine andere Mischung gewählt. Aber mal schön der Reihe nach. Der Helli geht jetzt langsam auf die 50 zu. Seine Sturm- und Drangzeit fand also Anfang bis Mitte der 80er Jahre statt. In Deutschland tobte zu der Zeit die Neue Deutsche Welle mit ihren ersten zaghaften elektronischen Gehversuchen. Der junge Geier war beeindruckt: Kraftwerk, Rheingold, Fehlfarben, Der Plan, DAF - seine Kommentare reichen von „Meilenstein” bis „Verneigung” oder „unerreicht”. Aber auch das, was damals von der Allgemeinheit größtenteils völlig unterbewertet oder unbeachtet blieb, präsentiert DJ Hell in seinem Mix-in-one-Go mit selbstverständlicher Eintopfmentalität. Hildegard Knef, Klaus Nomi, Klaus Kinski, Eberhard Schöner oder die Ossis Nina Hagen bzw. City. Das klingt alles nach Kraut und Rüben, hat aber in dieser Melange eine nicht von der Hand zu weisende Attraktivität. Nach so vielen Jahren Lebens- und Musikerfahrung schließt man mit so manchem verächtlich beäugten Interpreten von einst seinen Frieden. Nur so läßt sich dann auch erklären, warum hier Schlagerstars wie Gilla oder Ricky Shayne mitmachen durften oder warum Reinhard Mey noch einmal seinen Freunden eine sonorige Gute Nacht wünschen konnte. Na ja, so ist das eben mit dem Helmut Geier: ein international anerkannter und gern gebuchter Jetset-DJ-Gigolo, der zuhause Kakao trinkt und sich heimlich die Ilja Richter-Videos reinzieht.

www.djhell.com