Neue Platten

Chris Whitley - Soft, Dangerous Shores

Genre: Singer/Songwriter
Label:Cooking Vinyl (Indigo)
CD, VÖ - 25.07.2005

Chris Whitley ist ein Singer/Songwriter der etwas komplexeren Sorte. Der Mann aus dem New Yorker West Village mit ausgiebiger Dresdner Wohnerfahrung liebt es, seine Songs weitaus üppiger und vielschichtiger zu gestalten, als man es gemeinhin von seinen Stammesbrüdern dieser Musikgattung gewohnt ist. Als Konsequenz daraus kann man unter Umständen mit nur einem Hördurchlauf dem Album eine vielleicht etwas undurchsichtige, um nicht zu sagen leicht verwirrende Struktur unterstellen, was den einen oder anderen sicher gleich mal abschrecken dürfte. Aber dieses Phänomen ist dem interessierten Musikvielflieger ja nicht gänzlich unbekannt und deswegen sollte man sich also mit Whitley Zeit nehmen. Zeit nehmen, die Zwiebelringe seiner instrumentellen Ebenen langsam zu entpellen und sich intensiv mit seiner poetischen Ader auseinanderzusetzen.
Musik ist für ihn ein Gesamtkunsstwerk und infolgedessen behandelt der Mitt40er seine Kompositionen wie Oil On Canvas, um mit Japan’schen Worten zu sprechen. Zusammen mit den beiden Deutschen Heiko Schramm (Bass) und Matthias Macht (Drums) sowie seinem New Yorker Kumpel und Produzenten dieses Albums Malcolm Burn (Keys & Programming) dringt Whitley in teilweise romantisch verklärte, aber auch surrealistisch verbrämte Sphären ein, die sich erst nach und nach in ihrer Intensität erschließen. Das Transportmittel hierzu kann ein Rockrhythmus sein, ein etwas aufwendiger gestalteter Songwriter-Soul oder er kann sich an einer modifizierten Bluesstruktur orientieren. Seine vokalen Melodieführungen folgen keinen herkömmlichen Traditionen, sondern entsprechen ebenfalls seiner ganz eigenen Auffassung von Harmonie. Eingängige Hooklines sucht man bei Whitley vergebens.
Und doch liegt viel Emotion in der Luft (oder ein Hauch von Erotik, wie Whitley seine Songs charakterisiert). Ab und an verstärkt von Burns programmierten Soundscapes, die sich beruhigend um ein manchmal doch etwas struppiges Geflecht legen. Eigentlich kein Sommer-Album, eher was für kontemplative Herbstabende.

www.chriswhitley.com
www.cookingvinyl.com
www.amazon.de