Neue Platten

Netnakisum - Das Geheimnis der Alpenstube

Genre: Folk Alternativ
Label: Geco Tonwaren (Hoanzl (AT))
CD + DVD, VÖ: - 01.04.2011

Zur dritten Veröffentlichung der österreichischen Damenriege Netnakisum hat man nach Netnakisum und Nutville personell abgespeckt. Aus vier mach drei. Die aktuelle Bestetzung besteht nunmehr aus Violine, Violoncello und Bratsche, sprich Magdalena Zenz, deeLinde sowie Marie-Theres Härtel. Von der zweiten Violine Johanna Kugler hat man sich, so die Presse­meldung, in aller Freundschaft getrennt. Warum? - genau: Fragezeichen. Dazu hätte man Mäuschen sein müssen. Die drei verbleibenden Musikerinnen sind aber sofort in die Offensive gegangen und haben ein Bergdrama in zwei Akten inszeniert: „Das Geheimnnis der Alpenstube”. Die Lüftung desselben wird auf CD bzw. noch an­schau­licher auf der damit einhergehenden DVD in Angriff genommen, aufgezeichnet am 16. und 17. November 2010 in Wien. Wir erleben drei Furien der alternativen Saiten­musik, die sich von der Ouvertüre bis zum abrupten Absturz eine dermaßen unzählige Menge von Bällen zuspielen, daß man von Wacker Innsbruck bis Rapid Wien neidisch werden möchte. Die mannigfaltigen musikalischen Querverweise erstecken sich vom Balkan bis zum Dachstein, von Deep Purple bis Ravel, von Jazz bis Folk, vom Wienerlied bis „Peda” Kraus. Da sind die Mädels eine unbestreitbare Extraklasse. Ihre Fingerfertigkeiten und die Vokalharmonien versetzen Laien wie Fachleute in ehrfüchtiges Staunen. Wer Ritchie Blackmores Gitarrensoli so messerscharf imitieren kann, die Celli von Apokalyptika verdammt alt aussehen läßt und Jazzharmonien derart trickreich umsetzt, dem zollen wir unseren allergrößten Respekt. Das alleine reichte den Damen aber nicht, deswegen kommt hier nun „Das Geheimnis der Alpenstube” mit ins Spiel. Dies ist nun nichts anderes als das verbindende Prosa-Element zwischen den „Stickln” (hochdeutsch „Stücken”), eine Geschichte über die Viola und ihren „Höldn” (hochdeutsch „Helden”). Leider steht diese „G’schicht” in einem augenfälligen Gegensatz zu der ansonsten so auftrumpfenden Musik. Mit anderen Worten: Die Story ist leider etwas dünn geraten, der darin enthaltene Humor reicht von „na ja” bis „schon recht komisch”, das Ende kommt abrupt und ist so unbefriedigend wie der Plot an sich. Zwar sind die Magda­lena, deeLinde und die Marie-Theres entzückende Performerinnen, trotzdem sollten sie sich aber bergdrama­mäßig noch mal zu einem inhaltlichen Update zusammensetzen. Dem ungeachtet vergeben wir hier dennoch gerne eine knappe Empfehlungs­höchstnote, denn die gebotene musikalische Virtuosität ist enorm. Auch wenn sich uns das Geheimnis der Alpenstube letztendlich nicht so ganz erschließt bzw. sie weiterhin im Halbdunkel bleibt.

www.netnakisum.at
http://www.youtube.com/watch?v=i3JrQIQuzLU