Neue Platten

David Sylvian - Died In The Wool

Genre: Indie
Label: Samadhisound (Galileo MC)
Doppel-CD, VÖ: - 23.05.2011

Für die, die das Vorgängeralbum Manafon noch halbwegs im Ohr haben, hält „Died In The Wool” nur einen geringfügig anderen Kreativfundus bereit und bietet auf der Grundlage von „Manafon” gerade mal sechs neue Stücke und einige (Remix-) Kollabora­tionen u.a. mit dem hochgelobten Komponisten Dai Fujikura, den Produzenten Jan Band und Erik Honoré sowie eine Liste mit brillanten, zeitgenössischen Musikern und Improvisationskünstlern. Auch diesmal gleitet der Meister des ätherischen Raumklangs wieder auf weichen Luftkissen durch zartbesaitete Kosmen, breitet auf großzügigen Streicherteppichen, effektvoll angelegten Laptop-Programmierungen und jazzig arrangierten Soli (Piano, Trompete, Klarinette) seine unkonventionellen Balladen aus. Vertonte Gedichte von Emily Dickinson vervollständigen das Werk. In gewohnter Weise liegen die instrumentellen Parts und Sylvians Gesangsspuren auf völlig unterschiedlichen Ebenen, die sich zum Teil in gegenläufiger Struktur kreuzen. Dazu muss man seine vielleicht schon etwas verkrusteten Hörgwohnheiten erst einmal etwas aufbrechen, um die volle Tragweite dieser Ästhetik zu erfassen.
CD 2 besteht nur aus einem einzigen, gut 18-minütigem Stück, das vollends in ambiente Gefilde abdrifted. Es beinhaltet Audiomaterial aus Sylvians Klang-Installation „When we return you won’t recognise us“, das von der „Biennial of Canaries 2008 - 2009“ in Auftrag gegeben wurde.
Interessant, wie Sylvian seine momentane Schaffensphase selbst beschreibt: „Ich glaube nicht, dass ich ein Werk mit einer intensiveren emotionalen Natur in den letzten acht Jahren oder mehr produziert habe. Ich arbeite nie von einem rein intellektuellen Standpunkt aus. Es ist die Intuition und das Emotionale, was mich bei der Arbeit führt.“ Bleibt zu hoffen, dass er nicht irgendwann einmal so entrückt ist, dass ihm keiner mehr zuhören mag.

www.davidsylvian.com