Neue Platten

SambaSunda - Rahwana’s Cry

Genre: World/Indonesien
Label:Network (Zweitausendeins)
CD, VÖ - 08.08.2005

Ja, es gab mal eine Zeit, da stand Gamelan-Musik aus Indonesien ganz hoch im Kurs. Man schrieb das Jahr 1975 und Eberhard Schoener war der Mann der Stunde. Sein „Bali Agung” bzw. das Gamelan Orchester von Saba hämmerte sich durch sämtliche studentische Räucherstäbchenbuden und man war fasziniert von der präzise geklöppelten Kling-Klang-Mucke jener Tage. Mittlerweile haben sich die Epizentren der Weltmusik in andere Regionen verlagert und Indonesien läuft unter „ferner liefen”. Doch halt! Aus Frankfurt scheppert da etwas ganz artverwandtes! Klingt tatsächlich täuschend echt nach Gamelan, aber dann doch wiederum nicht so ganz.
Was geht hier vor?! Aha! Wir lernen: Network Medien goes also doch Indonesia, aber das nicht etwa in urwüchsiger Reinkultur, sondern ganz wie es heute auf dem weltweiten Weltmusikmarkt gut ankommt, als Crossover-Projekt aus traditionellen Gamelan-Tönen, vermixt mit sogenannten „Trance-Gooves” und westlichen Pop-Stilen.
Das hört sich fürchterlich an, kann aber in diesem speziellen Fall ganz gut überzeugen. Aus Bandung kommt dieses 17 köpfige Ensemble, das einerseits den bereits bekannten Hämmerchen-Werkzeugkasten für balinesische Metallklanginstrumente im Gepäck führt, andererseits auch mit Violinen, Harfen, lateinamerikanischen Timbales, afrikanischer Djembe oder Bambusflöten hantiert und zudem noch eine richtige Lead-Sängerin hat.
So kommt es, daß sich bereits der Auftakt zu dieser CD als ein wildfröhliches Jubel-Trubel-Heiterheits-Ritual darstellt, wo alle Beteiligten mal so richtig hinlangen und rumkrakeelen dürfen, ganz wie man es von den Ritualen der Maori oder den Indianern gewohnt ist. Das alles mündet dann aber recht flott in einen stark treibenden und punktgenauen Klacker-Sound, dem man eine gewisse Faszination nicht absprechen kann. So geht’s grade weiter, vielstimmige Chorgesänge bahnen sich den Weg durch vertrackte sundanesische Tanzrhythmen und regenwaldgepeitschte Flötentöne reiben sich an dumpfen Doppelfasstrommeln. Und meldet sich Rita Tila zu Wort (die Lead-Sängerin!), dann wird Beschaulicheres an den Tag gelegt, dann kommt die Sumatra-Terompet (eine Art Oboe) zum Einsatz und fernöstlicher Liebreiz stellt sich ein. SambaSunda kann man sich also merken, auch wenn sie vermutlich hierzulande nur äußerst selten live anzutreffen sind. Aber wofür gibt’s denn Plattenläden.

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