Neue Platten

The Rough Guide To Celtic Music - (V. A.)

Genre: Celtic Folk
Label:World Music Network (Edel Contraire)
CD, VÖ - 15.08.2005

These: Im direkten Vergleich zu dem gerade erst besprochenen Rough Guide To Salsa Dance verbreitet der zeitgleich erschienene Rough Guide To Celtic Music eine doch eher schlappe Aura. Hier ein brodelnder Vulkan, dort ein nur schwer entflammbarer Torfhaufen. Ho ho ho, sagt da der entrüstete Musikanten-Kosmopolit, wer wird denn Chili mit Knobi vergleichen! Vielleicht ist Salsa ja das berühmte Strohfeuer und die Kelten-Connection die Langzeit-Grillkohle.
Lassen wir also solch hinkende Vergleiche und widmen uns den 18 Tracks, die die beiden Kanadier Philly Markowitz und Dan Rosenberg hier in ihr Körbchen gesammelt haben. Genau: nicht etwa Iren, Schotten oder Waliser promoten hier das Erbe der „Barbaren”, die die Römer einst links liegen ließen, sondern Experten aus der nordamerikanischen Kelten-Zunft, und das wiederum bedeutet eine interessante Anhäufung von Bands, die eben nicht nur von den britischen Inseln stammen, sondern dort zuhause sind, wo die moderne keltische Welt sonst noch so ihre Blüten treibt. Das kann die Bretagne sein, Galizien oder Canada. Speziell die Franzosen haben ja schon relativ früh ihre Liebe zu Harfe, Dudelsack und Bombarde gefunden. Alan Stivell, das bretonische Urgestein, gehört nun schon seit Jahrzehnten zu den Schlüsselfiguren der Franko-Kelten und liefert zusammen mit den Gruppen Skolvan und Kornog auf diesem Sampler schlüssige Hoppsasssa-Melodien ab. Die spanische Abteilung, die sich hauptsächlich aus Galizien und Asturien rekrutiert, besteht aus den eher braven und traditionell-soliden Llan de Cubel und der optischen Sinead O’Connor Konkurrenz Mercedes Peón, deren Kurzauftritt dafür umso eindrucksvoller ist. Kunstvoller galizischer A-Cappella Gesang von betörender Schönheit ist ihre eine Spezialität, elektronische Artistik ihre andere.
Altbekanntes, um nicht zu sagen allzu Träges, dagegen von großen Namen wie Capercaillie, Niamh Parsons, Dervish, Téada oder auch Shooglenifty, bei denen man in zunehmendem Maße die Innovationsmaßnahmen vermißt, die zum Beispiel eine Natalie MacMaster aus Neuschottland an den Tag legt. Ihre virtuosen Fiddle-Künste und die damit verbundenen Vokalfinesse machen sie zu einem weiteren Highlight dieses gut durchwachsenen Führers durch die Welt der keltischen Internationalität.

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