Neue Platten

Jean Michel Jarre - Essentials & Rarities

Genre: Pop
Label: Disques Dreyfus (Soulfood)
Doppel-CD, VÖ: - 27.06.2011

Man möchte einem Künstler mit kritischen Worten ja nicht zu nahe treten, erst recht nicht, wenn dieser, wie im vorliegenden Fall, die Gelegenheit einer Veröffentlichung nutzt, einem verstorbenen Freund und Weggefährten zu danken und ihm Tribut zu zollen. Dennoch darf vermutet werden, dass es vielleicht auch noch andere Gründe gab, Schnee von gestern und vorgestern noch einmal aus dem Gefrierfach der Geschichte zu holen. Von Jean Michel Jarre war ja Innovatives im letzten Jahrzehnt kaum mehr zu vernehmen, insofern ist es eventuell dann doch ein zusätzlicher kommerzieller Kunstgriff, mit einem limitierten Doppelalbum Geld verdienen zu wollen, dessen Qualitätslevel leider nur eine Minimalhöhe aufweist. Was Jarre hier als „Essentials“ bezeichnet (und auf Dreyfus’ Label in den Jahren 1976 bis 2001 erschienen), entpuppt sich schlicht und ergreifend als ein 14maliges Wiederaufköcheln des zugegebenermaßen wahrhaftigen Welthits „Oxygene” oder anders formuliert, wir hören 14 mal mehr oder weniger das gleiche Motiv in leichten Abwandlungen. Wer dann noch die verbleibenden Hoffnungen auf die „Rarities” setzt, wird auch hier enttäuscht: 16 unbedeutende Kompositionen oder auch musikalische Versuchsballons, die in den späten 60ern bis Anfang der 70er das Licht der Welt erblickten und denen man zu keiner Zeit anmerkt, daß der Komponist später mal ein Weltstar werden sollte. Resumée: JMJ präsentiert sich nicht nur als Gefangener seiner Glanzzeit, sondern „Essentials and Rarities” ist auch ein ziemlich überflüssiges Doppelalbum, das heute mehr denn je durch seine vermeindliche Nähe zur esoterische Ambient­musik oder auch gern als Rosamunde-Pilcher-Soundtrack eingeordnet werden kann.

www.jeanmicheljarre.com