Neue Platten

Baba Zula - Gecekondu

Genre: Türkei / Alternative
Label: Essay Recordings (Indigo)
CD, VÖ: - 24.06.2011

In Frankfurt hat man mal wieder was zu feiern. Das Label Essay Recordings, in letzter Zeit schon enorm erfolgreich mit dem Dauerbrenner-Projekt „Shantel goes worldwide” hat die türkische Kultband Baba Zula, zumindest vermarktungstechnisch, vom Bosporus an den Main gelotst und damit ein weiteres reinrassiges Zugpferd im hauseigenen Stall untergebracht. Die subkulturelle Musikergarde um Murat Ertel legt in diesem Zusammenhang das Werk „Gecekondu” vor, ein Titel der mal wieder Programm ist, denn unter „Gecekondu“ versteht man in Istanbul ungefähr das gleiche wie in Rio unter „Favela”, es geht also wieder mal um die Under­dogs, das Leben zwischen Grauzone und Illegalität. Was eignet sich da besser als knarzige Psychebelly-Musik, bizarre Klänge, die die Grenzbereiche zwischen Ost und West ausleuchten, sich mit den kulturellen Gegensätzen zwischen altem Orient und neuer urbaner Realität auseinandersetzen. Baba Zula gehen diesen Weg schon seit Jahren und sind, Allah sei’s gepfiffen, nie dem Kommerzzirkus anheim gefallen. Ihnen liegt es eher am Herzen, Filme wie „Crossing the Bridge” mit ihrer Musik zu bestücken oder ihre Auftritten zu einem audio-visuellen Spektakel zu gestalten. Baba Zula machen türkische Hippiemusik, klappern mit hölzernen Suppenlöffeln, programmieren Laptops, twängen die Saz und scheppern mit der Darbuka. Als Gäste diesmal unter anderem mit dabei: der französische Gitano-Gitarrist Titi Robin und der norwegische Elektro-Jazzer Bugge Wesseltoft. Nach Kökler wieder ein sehr abgefahrenes Album zwischen Folk, Dub, Underground und bruzzelnder Orientküche.

www.babazula.com