Neue Platten

Célia Mara - Bastardista

Genre: Urban Brazil
Label:Globalista (Soulfood)
CD, VÖ - 27.05.2005

Célia Mara huschte mit ihrer bereits dritten (!) Veröffentlichung mit dem verheißungsvollen Titel „Bastardista” im Juni und Juli mal kurz durch die World Music Charts Europe, wurde vom Funkhaus Europa in Köln eine Woche lang als angesagte CD gefeiert und wer da nicht schwer auf Zack war oder im Wald von Buxtehude wohnt, dem ist dieses Power-Paket sowieso komplett durch die Lappen gegangen, denn Célia Mara fehlt der Massenkompatibiltätsstempel einer Shakira oder Anastacia. Dafür ist sie eine sportliche Brasilianierin mit vielen Hummeln im Hintern.
Der CD-Titel deutet wie gesagt auf eine nicht alltägliche Performance hin und so ist es denn dann auch, wenn man sich durch die gut 50 Minuten Bastard-Sound stöbert, den die Wahl-Wienerin zu bieten hat. Grundlage all ihres Schaffens ist ihr Heimatland Brasilien und dort speziell die musikalisch so fruchtbaren Provinzen Minas Gerais und vor allem Bahia mit der Hauptstadt Salvador. Da hat alles angefangen und auf diese Inspirationsquellen kommt sie immer wieder zurück, wenn sie zur kompositorischen Tat schreitet. Und das kann verdammt vielfältig ausarten. Fängt die CD also mit einem clubbig modifizierten Bossa an, heißt das noch lange nicht, daß das auch so weitergeht. Kaum verklungen, lugt nämlich schon ein Tango à la Gotan Project um die Ecke und verzaubert den Hörer mit geheimnisvollen Akkordeon-Dub-Ingredienzien, die sich kein geringerer als Madrid de los Austrias Kreativkopf Mike ”Pogo” Kreiner aus dem Zwirn geleiert hat. Und wieder muß der Fachmann erkennen, daß die Wiener Club-Posse ein weitverzweigtes Netzwerk am laufen hat. (Übrigens: Vlado Dzihan hat bei dieser Produktion auch noch ein paar seiner Finger mit drin). Etwas kritischer müssen wir Nörgelpeter aber zu Felde ziehen, wenn Brasilianer – aus welchen Gründen auch immer – ihre so schöne Sprache verlassen, um sich dem Englischen hinzugeben. Der reggaefizierte Straßenrocker ”We’re not alone” hat so eine Violation eigentlich nicht verdient. Aber zum Glück kommt gleich drauf der „Mercado Modelo” und alles ist wieder in Butter. Ein schwer pumpender Brummer, der selbst den letzten Tanzmuffel auf den Floor holt. Und dies ist nicht das einzige schwere Kaliber. Es tut sich noch viel mehr aufregendes bei Célia Mara. Ich sage da nur „Manifesto Bastardista”, „Boa Convivência” oder das super-coole „Paixão”. Da geht verstärkt die grün-gelbe correios ab und nicht zu knapp. Also gut anschnallen bei diesem Album und wer das nicht gleich auf Anhieb im Laden um die Ecke findet, der stoße ins Netz vor, denn so ein Scheibchen darf nicht der Ignoranz anheim fallen.

www.celia-mara.net
www.globalista.info
www.amazon.de